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Vietnams Landfluchtdilemma

Als Vu Thi Linh mit ihrer Familie aus den ländlichen Weiten ihrer Heimat in einen kleinen angemieteten Raum in Hanoi zieht, hoffte sie, dass ihre Kinder in der Stadt bessere Ausbildungschancen erhalten würden, als sie selbst.

Frau Vu gehört zu den hunderttausenden Zuzüglern, die jährlich vom Land in die explodierenden Metropolen Hanoi oder Saigon ziehen. Laut Aussage der Weltbank besitzt Vietnam eine der schnellsten Urbanisierungsraten in Asien.

Während die Wirtschaftsentwicklung in Vietnam Fahrt aufnahm, sind Vietnams Großstädte am Kämpfen, wie sie die Lage gegen die massenhaften Zuzüge meistern können. In den ländlichen Regionen bleiben nur noch die alten Menschen zurück.

Frau Vu zog nach Hanoi nachdem zwei ihrer Töchter einen Studienplatz in der Hauptstadt erhielten.

„Ich bin hierhergekommen wegen der Zukunft meiner Kinder. Sie haben hier gute Ausbildungschancen und können sich später eine Rückkehr aufs Land nicht mehr vorstellen“, erzählte Vu Thi Linh.

Englischer AFP Bericht zur Landflucht in Vietnam



Noch leben ca. 70% der Bevölkerung in ländlichen Gebieten, aber das kommunistische Regime will bis 2035 eine „moderne industrialisierte Nation“ erschaffen.

Viele Menschen siedeln in die Städte und arbeiten im exportorientierten Gewerbe, meist in Industrieparks in den Vororten großer ausufernder Städte.

Für viele Neuankömmlinge in der Stadt ist das Leben nicht einfach.

Vu Thi Linh ließ ihren 500m2 großen Garten mit Bäumen und Gemüsebeeten in der nördlichen Thai Binh Provinz zurück und lebt nun in einer 20m2 großen Mietwohnung, die sie sich mit ihren beiden Töchtern teilt.

Aber in der Stadt verdient sie als Putzfrau und Altmetallsammlerin mehr als in ihrem Dorf.

Le Van Mung zog vor mehr als einem Jahrzehnt nach Hanoi, bedauert diese Entscheidung aber nicht.

„Das Leben auf dem Land ist sehr hart. Wir verdienen dort kaum Geld und müssen sehr hart auf den Feldern arbeiten“, erklärte er.

Ursprünglich stammt Herr Le aus der Ha Nam Provinz im Norden Vietnams, er arbeitet nun als Elektriker und seine Frau betreibt einen kleinen Imbiss. Zusammen kommen beide auf ca. $600 im Monat, was reicht um die Miete und das Schulgeld für beide Kinder zu bezahlen.

„Das Leben in der Stadt ist auch nicht einfach, aber wir versuchen Geld für unsere Kinder zu verdienen, damit sie es besser haben sollen, als wir“, antwortete der Vietnamese.

Nach Angeben der Weltbank zogen zwischen dem Jahr 2000 und 2010 ca. 7,5 Mio. Menschen vom Land in eine Stadt, das entspricht einer Urbanisierungsrate von 4,1%. Nur Kambodscha und Laos verzeichnen höhere Raten.

Nach behördlichen Daten kommen jährlich in Hanoi 100 000 und in Saigon 130 000 neue Einwohner hinzu, was zu Problemen in der Infrastruktur führt – Straßen, Wasserversorgung und Kanalisation sind nicht für die Menschenmassen ausgelegt.

Die Verkehrsbelastung ist eines der größten Probleme, aber auch überfüllte Schulen und Krankenhäuser sind schon lange an die Grenzen ihrer Kapazitäten gestoßen.

Obwohl sich Haushalte in Vietnam bei den Behörden registrieren lassen müssen, damit neue Einwohner nicht ungehindert Schulplätze oder medizinische Versorgung beanspruchen können, lässt sich Dank weitverbreiteter Korruption dieses System umgehen.

Die Behörden machen aber keinen Versuch den permanenten Zuzug neuer Einwohner zu begrenzen, erklärte ein Beamter in Hanoi.

Zurück bleiben die vielen alten Menschen auf dem Land, die die Landstriche bewirtschaften müssen, während junge Menschen im arbeitsfähigen Alter in die großen Städte oder Industriezonen gegangen sind.


Quelle:
http://www.thephuketnews.com/vietnam-migration-dilemma-urbanisation-leaves-a-bulging-capital-and-empty-villages-56659.php