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Gedenktafel an die Boatpeople in Deutschland

03.11.2006

Minh Thùy, Reporter des Senders RFA

Ende April 1982 wurde ein Boot der vietnamesischen Flüchtlinge von der Cap Anamur im Südchinesischen Meer aufgelesen und nach Deutschland – zum Hamburger Hafen – mitgeschleppt. Um das Boot besser zu konservieren, beschloss das Cap Anamur Komitee das Boot nach Troisdorf, der Heimat der Gründer der Cap Anamur zur Rettung der Flüchtlinge aus Vietnam Herr und Frau Rupert Neudeck, zu bringen.

Mit diesem Boot waren 46 Menschen in das offene Meer hinaus gefahren und wurden von der Cap Anamur gerettet. Das historische Boot ist jetzt 24 Jahre alt, so alt wie die 2. Generation, die in Deutschland geboren ist. Wenn die Deutschen sich das Boot anschauen, bewundern viele von ihnen die vietnamesischen Boatpeople für ihren Mut. Nur mit einem so kleinen, wackeligen Boot – und trotz der Gefahr und der Todesdrohung auf dem Meer - haben sie ihre Heimat verlassen, um die Freiheit zu finden.

Das Boot als Zeitzeugen

Die vietnamesische Gemeinschaft in Deutschland ist sehr stolz auf das Boot, weil es einen Zeitzeugen von den Fluchten, die oft mit tödlichem Ausgang endeten, darstellt. Abgesehen von den glücklichen, geretteten Flüchtlingen sind Hunderttausende, teils Opfer der Seepiraten im Südchinesischen Meer, teils durch den Hungertod, gestorben.

Seit langem wünscht sich die vietnamesische Gemeinschaft eine Gedenktafel für die verunglückten Flüchtlinge. Gleichzeitig soll die Gedenktafel auch den Dank an die deutsche Regierung und das deutsche Volk für ihre Aufnahme und Hilfe zum Ausdruck bringen. Ein Komitee zur Realisierung des Vorhabens und zum Schutz des Bootes wurde ins Leben gerufen.

Herr Nguyễn văn Rị, ein ehemaliger Boatpeople, der 2005 vom Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde und heute Mitglied des Komitees ist, sagte:

„Die Gedenktafel soll uns Überlebende daran erinnern, dass viele die Flucht nicht geschafft und ihr Leben im Südchinesischen Meer gelassen haben. Gleichzeitig wollen wir damit unsere Dankbarkeit gegenüber der deutschen Regierung, dem deutschen Volk, insbesondere Frau Dr. Neudeck, die die Cap Anamur initiiert und mehr als 10.000 Flüchtlingen das Leben gerettet hat, ausdrücken“.

Alle Vereine der vietnamesischen Gemeinschaft in Deutschland sind für den Bau der Gedenktafel. Wenn alles nach Plan läuft, wird die Gedenktafel am 30.04.2007 eröffnet.

Anlaufschwierigkeiten:

Mitte: Herr und Frau Neudeck; links: Herr Nguyễn thanh Văn; rechts: Herr Nguyễn văn Rị (Mitglied des Komitee für den Bau der Gedenktafel der Boatpeople in Deutschland) PHOTO RFA/Minh Thuy.

Trotz Unterstützung der deutschen Regierung, insbesondere des Bürgermeisters und der Bevölkerung der Stadt Troisdorf, hat es Schwierigkeiten beim Realisieren der Gedenktafel gegeben.

Obwohl der Bau der Gedenktafel sich gerade erst in der Planungsphase befindet, ist er schon auf den Widerstand der kommunistischen Regierung Vietnams gestoßen. Ein Vertreter der vietnamesischen Botschaft in Bonn hat den Bürgermeister von Troisdorf in einem Treffen aufgefordert, das Projekt zu annullieren, weil die Beziehung der beiden Länder Deutschland und Vietnam dadurch belastet werden könne. Diese Forderung ist jedoch von der Bundesregierung mit folgendem Argument abgelehnt worden: Die Gedenktafel trage zur Geschichte der Boatpeople aus Vietnam bei und sei deshalb ein sehr berechtigtes und sinnvolles Vorhaben.

Herr Vương Trí Tín, ein weiteres Mitglied des Komitees fügte hinzu: “zu Anfang hatten wir Probleme mit dem Bauvorhaben, weil die vietnamesische Botschaft in Bonn die Stadt Troisdorf aufgefordert hat, das Bauvorhaben der Boatpeople-Gedenktafel zu verbieten. Sie begründen ihr Argument damit, dass die Beziehung zwischen Deutschland-Vietnam damit geschwärzt werden könnte.“

Aber Herr Bürgermeister hat den Botschaftsangehörigen klargemacht, dass seine Genehmigung für den Bau der Gedenktafel aufgrund der Zustimmung des Verwaltungsrats der Stadt Troisdorf erfolgte, welche mit der diplomatischen Beziehung zwischen Deutschland und Vietnam nicht im geringsten etwas zu tun hat.

„Weil die Boatpeople-Gedenktafeln in Indonesien und Malaysia auf Wunsch der vietnamesischen Regierung hin zerstört wurden, wollen wir hier eine Tafel zum Gedenken an die toten Boatpeople errichten. Auf der anderen Seite wollen wir der deutschen Regierung und dem deutschen Volk damit danken“, ließ Herr Tín wissen.

Es wird mit weiteren Behinderungen durch die vietnamesische Regierung an dem Projekt gerechnet, aber das Gedenktafel-Komitee und die vietnamesische Gemeinschaft in Deutschland wollen ihr Bauvorhaben mit Unterstützung des deutschen Volkes weiter vorantreiben.

Die Kosten für den Bau der Gedenktafel werden auf 25.000 Euro geschätzt. Das Geld soll durch Spenden aus der vietnamesischen Gemeinschaft zusammenkommen. Die Fertigstellung und Eröffnung der Gedenktafel wird voraussichtlicht am 30.04.2007 sein. Das ist auch ein Datum, an dem die Tragödie der Flucht von mehr als einer Million Menschen aus Vietnam begann. Die jüngeren Generationen sollen dadurch an die Gründe für die Flucht ihrer Vorfahren erinnert werden. Inzwischen ist die Zahl der Auslandsvietnamesen auf über 3 Millionen gewachsen.

Zur gleichen Zeit wurde am 14.10.2006 eine Gedenksäule an die Boatpeople und als Danksymbol an die deutsche Regierung und Bevölkerung in der Stadt Hamburg von den dort ansässigen Vietnamesen errichtet. Herr und Frau Ngũ thời Trọng, Hauptverantwortliche für dieses Projekt teilten mit: “Die Zerstörung der beiden Gedenktafel in Indonesien und Malaysia auf Wünsch der vietnamesischen Regierung hat uns sehr wehgetan. Das motivierte uns hier das Denkmal zur Erinnerung an die gestorbenen Flüchtlinge und zum Dank an die deutsche Regierung und Bevölkerung zu errichten.’’

Die Vietnamesen in Deutschland sehnen schon jetzt der Eröffnung der Boatpeople-Gedenktafel neben dem Boot, welches das Symbol für den Wunsch nach Freiheit der vietnamesischen Gemeinschaft darstellt, entgegen.


Originaltext

siehe auch Gedenktafel der vietnamesischen Flüchtlinge

 

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