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Bùi Tín – Journalist bis zuletzt

Für die einen war Bùi Tín ein Verräter, andere nannten ihn geläuterten Kritiker und letzte einen nicht glaubhaften kommunistischen Schauspieler. Nun starb er Anfang August im Alter von 90 Jahren in einem Pariser Krankenhaus.

Tin war ein ehemaliger Journalist der Armeezeitung und kritisierte seit mehr als zwei Jahrzehnten das kommunistische Regime mit dem er einst siegreich das wiedervereinigte Vietnam übernahm.

Im Jahre 1990 wird Bùi Tín zum Fahnenflüchtigen, als er während einer Reise, die die in Paris ansässige kommunistische Zeitung l’Hummanité organisiert hatte, ins Exil geht.

Es war Schicksal, dass das Leben des Mannes eine Kehrtwende nahm, der sich sein ganzes Leben mit der vietnamesischen Unabhängigkeit beschäftigte – den Kampf gegen die Franzosen und gegen den anti-kommunistischen Süden.

Tin schloss sich bereits als Jugendlicher den Việt Minh an, er wird Kriegsreporter. Im Jahr 1975 ist er einer der ersten, die mit den Nordvietnamesischen Truppen den Präsidentenpalast in Sài Gòn einnehmen.

Nachdem Krieg erhält Tin die besten Posten bei den staatlichen Zeitungen, er verbringt die meiste Zeit seiner Karriere damit sich über die „Kriegshelden“ ein Bild zu verschaffen, wie z.B. Võ Nguyên Giáp und ist später enttäuscht über die Sache, der er viel Zeit seines Lebens widmete.

Er glaubte, die Kommunistische Partei sei von ihren Idealen der Revolution und ihrem Gründungsvater abgewichen, er bezeichnete die Parteiführung als korrupt und arrogant und sagte einst, dass die Partei ihre Missetaten im Schatten von Ho Chi Minh verberge.

Im französischen Exil schrieb Tin die meiste Zeit über Politik und aktuelle Themen aus seinem Heimatland und Freunde beschrieben ihn als einen Journalisten und Aktivisten bis zu seinem letzten Tag.



„Vor einem Monat bevor er krank wurde, da schrieb er einen Artikel per Hand, da sein Internet nicht funktionierte. Der Inhalt war die Forderung nach einer Mehrparteien-Demokratie. Er bat mich das zu posten“, erklärte Tường An, eine enge Vertraute Bùi Tíns.

Bùi Tín wurde von anderen Aktivisten scharf kritisiert wegen seiner früheren Verbindungen zu den Kommunisten, doch Tin konnte damit umgehen, blieb freundlich und tolerant und widmete sein Leben seinen politischen Idealen.

„Als ich ihn im Krankenhaus besuchte, da war er schon sehr schwach, aber seine erste Frage war, ob ich seinen Artikel veröffentlicht hätte. Er war bis zu seinem Lebensende ein echter Journalist und lebte für Demokratie in Vietnam“, sagte seine Vertraute.

Ein Verwandter, der anonym bleiben wollte, erklärte, dass die Familie sich nicht viel um die umstrittenen politischen Neigungen kümmerte.

„Die Familie hat seinen Aktivismus nicht sehr ernst genommen, jeder hat seine eigene Weltanschauung“, sagte der Angehörige.

Bùi Tín wurde am 29.12.1929 in Hà Nội als eines von zehn Kindern geboren. Am 11.08.2018 starb er in einem Krankenhaus in Paris aufgrund von Nierenversagen, er hinterlässt zwei Kinder: Eine Tochter in Hà Nội und einen Sohn, der in Kanada lebt.

Bui Tin in einem vietnamesischen Interview der BBC zur Tet Offensive 1968



Quelle:
https://www.channelnewsasia.com/news/asia/vietnam-communist-war-hero-turned-dissident-bui-tin-dies-aged-90-10610940