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Viele Demonstranten gegen China wurden verhaftet und misshandelt

Viele junge Studenten, die an der 2. Protestkundgebung gegen China am vergangenen Sonntag, dem 16.12.2007, in Hanoi und Saigon teilgenommen haben, bekamen Schwierigkeiten mit den Behörden.
Trà Mi, RFA-Reporterin

Viele junge Studenten, die an der 2. Protestkundgebung gegen China am vergangenen Sonntag, dem 16.12.2007, in Hanoi und Saigon teilgenommen haben, bekamen Schwierigkeiten mit den Behörden. Manche wurden in Polizeiwagen auf die Polizeiwache mitgenommen, andere sogar von Polizisten mitten auf der Strasse misshandelt und anschließend mit Gewalt ins Polizeirevier zum Verhör abtransportiert.

Unter den verhafteten war auch Herr Hoàng Hải, ein Veteran und Mitglied vom "Club freier Journalisten", einer der Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit in Vietnam. Im Interview mit Trà Mi schilderte Hoàng Hải die Geschehnisse wie folgt:

Hoàng Hải: Gegen 16 Uhr des 16.12. verließ ich nach Demonstrationsende den Ort und fuhr wie andere Mitglieder vom Club freier Journalisten nach Hause. Als ich von der Strasse Phạm Ngọc Thạch nach links in die Võ Thị Sáu Strasse abgebogen bin und die Höhe der Tanksstelle erreichte, drängte mich plötzlich ein Moped von der Fahrbahn ab. Zwei weitere Mopeds stellten sich sofort direkt hinter mich. Ich habe sofort begriffen, was sie mit mir vorhatten, da viele Mitglieder vom Club freier Journalisten oft bedroht wurde.

Geschlagen und gewürgt

Trà Mi: Haben Sie fragen können, wer diese Leute waren und weswegen die sich so verhielten?

Hoàng Hải: Nein. Sie haben mich sofort angegriffen, so dass ich nicht reden konnte. Als ich zu schreien versuchte, haben sie mich gewürgt, so dass meine Stimme versagte. Dann hielten zwei Männer meine Arme fest. Der dritte hielt mich weiter im Würgegriff und ein anderer schlug mit Fäusten ununterbrochen in meinen Bauch.

Trà Mi: Sie wurden mitten auf der Strasse angegriffen?

Hoàng Hải: Richtig. Sie trugen keine Polizeiuniform.

Trà Mi: Hat jemand diesen Übergriff beobachtet und ist Ihnen zur Hilfe gekommen?

Hoàng Hải: Viele Bürger in der Strasse haben den Übergriff beobachtet, eine Person hielt sogar sein Moped an und fragte nach dem Grund. Ein Polizist antwortete ihm: "wegen Diebstahl", ein anderer sagte: "wegen Drogenhandel".

Trà Mi: Und was passierte dann?

Hoàng Hải: Die hatten Angst, dass ich schreie, deswegen hatten sie den Würgegriff um meinen Hals immer fester geschlossen. Irgendwann bekam ich keine Luft mehr und verlor für kurze Zeit das Bewusstsein. Sie steckten mich in ein Taxi und fuhren davon.

Trà Mi: Wo haben sie Sie hin gebracht?

Hoàng Hải: Als ich im Taxi das Bewusstsein wieder erlangte, hörte ich wie sie dem Taxifahrer den Weg zur Gemeinde Phường Đa Kao, Bezirk I zeigten. Als der Wagen gerade anhielt, zerrten sie mich an den Beinen aus dem Taxi.
Als ich versuchte, mich aufzurichten, sagte ein Vorgesetzter der Polizisten "Nehmt ihm das Handy weg, damit er keine Interviews geben kann". Sofort entrissen die Polizisten mir das Handy und die Digitalkamera. Auf der Wache saß ich auf einem Stuhl neben einem Tisch, auf den die Polizisten mein Handy und meine Digitalkamera abgelegt hatten. Plötzlich läutete das Handy, ich griff sofort danach und schrie: "Ich bin verhaftet, ich bin verhaftet", ohne zu wissen, wer am anderen Ende der Leitung war. Sofort liefen die 4 Männer auf mich zu, rissen das Handy wieder an sich und schlugen wie wild auf mich ein. In dem Moment kam ein Kommandant von ihnen rein und sagte "Aufhören!". Erst dann ließen sie mich los.

Trà Mi: Haben Sie gefragt, weswegen die Polizisten Gewalt gegen Sie anwenden?

Hoàng Hải: Ich hatte gefragt, aber sie beantworteten meine Frage nicht. Ich sagte: "Wenn Sie etwas von mir wollen, müssen Sie mir eine Vorladung schicken. Ich würde dann kommen. Ich kann aber nicht akzeptieren, wenn Sie mich mitten auf der Strasse einfach kidnappen. Einige von Ihnen haben sogar behaupteten, ich sei ein Dieb und ein Drogenhändler". Die Polizisten leugneten sofort diese Tat und behaupten, sie wissen nichts darüber. Ich fragte daraufhin: "Dann sollen Sie mir erklären, wie ich hierher gekommen bin". „Darüber reden wir später“, sagten die Polizisten.

Fahndung nach Anführer der Demonstration

Trà Mi: Worüber hat man dann mit Ihnen gesprochen?

Hoàng Hải: Die wollten wissen, wer oder welche Organisation die Demonstration organisiert hat. Als erstes hatten sie mich gefragt: "Warum sind Sie zu der Demonstration gekommen? Wer hat sie organisiert?”
Ich antwortetet: "Herr Nguyễn Thành Tài (stellvertretender Vorsitzende des Volkskomitees von Saigon) hatte letzte Woche versprochen, die Stadtjugendorganisation zu beauftragen, eine Demonstration zu veranstalten. Ich bin deshalb gekommen, um mich daran teilzunehmen".
Dieselbe Person wollte wissen: "Sie und die anderen haben bedruckte T-Shirts. Wer hat die Symbole gemalt?
Ich antwortete: "Ich habe die T-Shirts bemalt"

Trà Mi: Wie haben die Polizisten auf ihre Antwort reagiert?

Hoàng Hải: Sie fragten: "Kennen Sie die Mitteilung von der Stadtpolizei denn nicht?
Ich antwortete: "Nein, ich kenne die Mitteilung nicht"
Daraufhin zeigten sie mir die Mitteilung in der Stadt-Polizei-Zeitung. Ich sagte: "Das ist ein Zeitungsartikel. Er ist mir nicht persönlich zugeschickt worden, deshalb konnte ich nicht wissen". Es hieß in der Mitteilung, die Demonstration sei von der Organisation Việt Tân und Demokratischen Jugend organisiert. Deshalb dürfen Schüler, Studenten, Beamten sich nicht an der Protestkundgebung teilnehmen.
Ich sagte weiter: "Wir haben bei dieser Protestkundgebung ganz eigenständig gehandelt. Sie haben Kamera auf dem Dach des Jugendkulturhauses installiert und uns die ganze Zeit gefilmt. Sie müssten doch wissen, ob wir friedlich demonstriert haben oder nicht, bzw. ob irgendjemand uns dazu angestiftet hat. Schauen Sie sich das Band an, dann werden Sie es wissen".

Sie sagten dann: "Doch, friedlich waren Sie ja. Da ist nichts zu beanstanden".

Trà Mi: Haben Sie die Beamten gefragt, warum die Behörden den Demonstranten solchen Ärger machen, obwohl die Menschen sich an einem friedlichen Marsch teilnehmen wollten?

Hoàng Hải: Die sind der Meinung, damit machen wir dem Außenministerium das Leben schwerer. Ich kann diese Meinung nicht teilen und sagte "Selbst Besuche von Präsident Bush im Ausland stoßen auf Proteste der Einheimischen. Proteste der Bevölkerung beeinträchtigen nicht die Arbeit des Außenministeriums, und die Regierung muss sich auch nicht dafür verantworten. Die Verfassung sichert dem Volk dieses Recht zu. Das Volk macht nur davon Gebrauch".

Bedenken wegen Demonstrationen des Volkes?

Trà Mi: Aber durch Demonstrationen wird die soziale Ordnung des Landes gestört, deshalb warnt vietnamesische Regierung immer wieder davor.

Hoàng Hải: Ich denke, die haben nur Angst, dass die Bürger mit Protestkundgebungen vertraut sind und nicht wegen Demonstration gegen China. Die haben auch gefragt, warum ich nicht vorher die Erlaubnis zur Demonstration beantragt hätte.
Ich sagte: "Die Verfassung erlaubt uns das und das Gesetz verbietet uns auch nicht, also darf das Volk das tun. Außerdem, bei welcher Behörde hätten wir die Genehmigung beantragen müssen, wo es noch kein Demonstrationsgesetz gibt?"
„Bei der Stadtgemeinde“, sagten sie.

Daraufhin sagte ich: "Dann sollten sie mir bitte sagen, welches Formular mit welcher Nummer ich dafür nehmen soll"
Die behaupten, selbst eine friedliche Demonstration, die aber große Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich zieht, gilt nicht mehr als friedlich. Auch diese Meinung kann ich nicht teilen.

Trà Mi: Kennen Sie weitere Fälle, dass Leute wegen Teilnahme an der Demonstration festgenommen oder Schwierigkeiten mit den Behörden bekommen haben?

Hoàng Hải: An diesem Tag allein von meiner Gruppe wurden auch noch Herr Tạ Phong Tần, Frau Quỳnh Điệp, Herr Hà Vũ Trọng. Herr Hà Vũ Trọng ist ein Exilvietnamese, er ist hier nur zu Besuch und gehört nicht meiner Gruppe. Dieser wurde auch festgenommen.

Trà Mi: Und diese Leute haben auch die gleichen Probleme wie Sie bekommen?

Hoàng Hải: Ja, alle genauso. Als die Polizei diese Leute auf der Strasse verhafteten, benutzten sie immer die gleiche Methode: Festnahme von Drogendealer.

Trà Mi: Sind diese Leute inzwischen schon frei bzw.  haben sie noch andere Schwierigkeiten nach der Freilassung bekommen?

Hoàng Hải: Wir alle sind gerade erst freigelassen worden. Die haben uns gedroht, noch öfter zum Verhör vorladen zu wollen.

Trà Mi: Haben die Polizeikräfte im Laufe der Demonstration irgendwelche harte Aktionen z.B. Gewalt gegen die Demonstranten angewandt?

Hoàng Hải: In meinem Bereich, d.h. im Zentrum der Proteskundgebung, war die Situation relativ friedlich. Aber im Außenbereich sollen sie etwas hart vorgegangen sein. Denn die Polizei glaubt, der innere Bereich sei ein empfindlicher Bereich, dorthin richten ständig  irgendwelche Kameras drauf. Darum fanden fast alle Festnahmen im Außenbereich statt. Der Gesamtbereich vor dem chinesischen Konsulat wurde nach dem 09. Dezember komplett mit Eisenzäunen abgesperrt. Verbotschilder „Versammlung verboten“ wurden aufgestellt. Mehrere Soldaten postieren vor dem Konsulat.

Standpunkt klar definieren

Trà Mi: Was hätten Sie der vietnamesischen Regierung gesagt, wenn Sie im Namen der Demonstranten an diesem Tag frei sprechen dürften. Und was müsste die Regierung jetzt tun, damit das Volk nicht mehr demontrieren?

Hoàng Hải: Die vietnamesische Regierung müsste angesichts der frechen Aktion von China jetzt eine härtere Haltung in der Diplomatie zeigen. Zumindest sollte sie den chinesischen Botschafter einbestellen und diesem einen Protestbrief in die Hand drücken. Das wäre das Mindeste. Trotzdem hat die Regierung das bisher nicht gemacht.
Ihre bisherige Haltung hat die Erwartung des Volkes leider nicht erfüllt. Deshalb gehen die Leute auf die Strasse, um dagegen zu protestieren.
Die Regierung sollte das Volk zu Protestkundgebungen und Demonstrationen uafrufen. Dadurch würde die Regierung zeigen, dass ihr Wille im Einklang mit dem Willen des Volkes steht. Wenn das Volk weiß, wie tief sein Territorium von jemand anderem verletzt ist, wäre es auch mehr dazu bereit sein, es zu verteidigen, wenn die Regierung das Volk mobilisiert. Die Regierung soll dem Volk deshalb erlauben zu demonstrieren.

Dass Zufahrtstrassen zum chinesischen Konsulat komplett abgesperrt sind, so dass keine Fahrzeuge da lang fahren können, wollen sie damit die Demonstranten behindern und nicht um Ordnung zu halten.

Selbst als wir auf dem Bürgersteig gestanden haben, kam die eine truppe nach der anderen vorbei und trieb uns fort. Sie sagten, dieses sei ein empfindliches Gebiet. Ich verlangte daraufhin die Erklärung für die Definition „empfindliches Gebiet“, dies konnten sie uns jedoch nicht geben.

Neuerlich haben die Künstler eine Erklärung herausgebracht, welche die Regierung aufforderte, alle Informationen über die Beziehung beider Länder (Vietnam und China) offen zu legen. Die Presse soll die Freiheit bekommen, die Wahrheit an das Volk zu bringen. Das Volk soll wissen, was um sie herum passiert. Zurzeit hat die vietnamesische Presse ihre Aufgaben noch nicht hundertprozentig wahrnehmen können. Das ist auch die Frage, die die Bürger sich schon immer gestellt haben.

Da die Bürger über keine zuverlässigen Informationen verfügen, entstehen einfach Desinformationen in der Gesellschaft. Deshalb denke ich, durchsichtige Informationen sind immer gut für die Gesellschaft. Es soll keine empfindlichen Gebiete geben.

Trà Mi: Natürlich, das ist genau der Wünsch aller Bürger zurzeit. Sollte dieser Wünsch erfüllt sein, was glauben Sie, was würde dann passieren?

Hoàng Hải: In den Foren im Internet erfahre ich, die Leute wollen die Demonstration solange fortsetzen, bis die Regierung eine angemessene Antwort auf ihre Reaktion hat. Ich bin der Meinung, Patriotismus zu zeigen, ist nichts Schlimmes. Deshalb ist eine Beteiligung so etwas von Selbstverständlichkeit.

Trà Mi: Ich danke Ihnen Herrn Hoàng Hải für dieses Interview.

Hoàng Hải: Bitte schön.


Quelle: www.rfa.org