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Ne Lam – Mönch, Oberst und Held vom Dong Rek Flüchtlingslager

Schützling trifft nach 26 Jahren Ne Lam

Vivian Po & Cicy Wang

OAKLAND, Kalifornien. – Obwohl der Vietnamese Oberst Lam Ne, schon 83 Jahre alt ist und in einer Seniorenwohnung in Oakland lebt, sieht er jung für sein Alter aus. Heutzutage ist er als hingebungsvoller kambodschanischer buddhistischer Mönch und Gemeindemitglied bekannt. Er reist jedes Jahr nach Kambodscha und Vietnam um Wohltätigkeitsarbeit zu leisten. Aber für die Überlebenden des vietnamesischen Dong Rek Flüchtlingslagers ist er mehr als nur eine Führungsperson. Er war ein Lebensretter.

Treffen mit Ne Lam im Jahr 2011

„Für mich ist er der König,” beschrieb Sean Do, ein 47 Jahre alter Sino-vietnamese und Kambodschaner, Überlebender des Dong Rek Lagers—Eine vom Internationalen Roten Kreuz unterstützte Zufluchtsstätte, die an der Grenze von Thailand und Kambodscha lag und das Zuhause von kambodschanischen und vietnamesischen Flüchtlingen war.

Do, der jetzt in der Nähe von San Francisco lebt und arbeitet, erfuhr kürzlich von anderen ehemaligen Flüchtlingen, dass Lam nicht verstorben sei, so wie einige es dachten. Er erfuhr auch, dass Lam und er in derselben Stadt leben. Nach 26 Jahren würde Do endlich den Mann wieder treffen, den er nur als   „Helden” bezeichnet.

Im Alter von 17 kam Do alleine in das Flüchtlingslager, nachdem er den Kontakt zu seinerFamilie, aufgrund der chaotischen Zustände auf der Flucht vor dem Krieg verloren hatte. Sobald das Personal des Roten Kreuzes Feierabend hatte, kamen regelmäßig Diebe ins Lager. Eines Nachts wurde Do durch Kriminelle krankenhausreif geschlagen. Aufgrund der Verletzungen wurde Do unverzüglich in das Nong Samet Flüchtlingslager verlegt, wo er später eine Anstellung als medizinischer Assistent beim Internationalen Roten Kreuz erhielt. Er war sehr gefragt als Mitarbeiter, da er Kantonesisch, Vietnamesisch, Kambodschanisch und Französisch sprechen konnte. Lam, der zu dieser Zeit das Dong Rek Lager leitete, besuchte Do häufigund gab ihm die Achtung und Unterstützung, die er so dringend während seiner Genesung brauchte.

„Ich bin nicht nur dankbar, dass er mein Leben rettete, sondern, dass er für die [anderen] Flüchtlinge da war”,  sagte Do.

Diebstahl, unterschiedliche Überfälle und Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen dominierten den Alltag im Dong Rek Lager, aber durch die Präsenz von Lam änderte sich alles, erinnerte sich Do. Jede Nacht patrouillierte Lam an den Begrenzungen des Lagers, um Sicherheit für die Flüchtlinge zu gewährleisten. Lam sagte, dass die kambodschanischen Soldaten Angst vor ihm hatten und ihn als buddhistischen Mönch achteten, deshalb wagten sie es nicht in das Lager einzudringen, wenn er dort war. „Er war eine wirkliche Führungskraft”, sagte Do. Gelegentlich erlaubte er Mädchen und Frauen nachts in seiner Hütte Schutz zu suchen, wenn diese über ihre Sicherheit besorgt waren.

Von 1982 bis 1985 nahm die Anzahl der Flüchtlinge im Lager von anfangs 500 auf über 8000 Menschen zu, überwiegend aufgrund der sozialen Missstände in Kambodscha und Vietnam, aber auch wegen Lams guten Ruf zur Erhaltung des Friedens im Flüchtlingslager.

Lam Ne wurde 1927 in Vietnam geboren und wuchs in einem kambodschanischen buddhistischen Tempel auf und wurde zum Mönch aufgezogen. Lams Eltern wanderten von China in den Süden Vietnams ein, um auf den Reisfeldern zu arbeiten. Die spätere schulische Ausbildung erhielt Lam in Frankreich und ging nach seiner Rückkehr zum vietnamesischen Militär und wurde später zum Oberst befördert.

Als der Vietnamkrieg zu Ende war musste Lam, wie alle anderen Intellektuelle in ein Umerziehungslager für sechs Jahre. Nach seiner Entlassung flüchtete er sofort mit seinem Sohn ins Dong Rek Flüchtlingslager nach Thailand. Lam gewann bei den Menschen, aufgrund des Hintergrunds, dass er ein Oberst war und Führungsqualität besaß, das Ansehen, das schaffte eine gewisse Ordnung im unsicheren und ungeordneten Lager.

Lam erklärte, dass das Leben im Lager rau war. Essen und sauberes Wasser war nur beschränkt verfügbar, die Hygiene war schlecht und es gab viele zwischenmenschliche Konflikte —ausgelöst durch Streitereien zwischen Familien, Sprachen, Ethnien und Religionen. Die meisten Flüchtlinge waren Laoten, Vietnamesen und Kambodschaner.

Lam suchte den Frieden zu bewahren und predigte über Respekt. Obwohl er selbst ein  praktizierender Buddhist war, begrüßte er auch sehr Gebete in Tempeln, Kirchen und Moscheen innerhalb des Lagers. Religionsausübung war den Flüchtlingen erlaubt, um an eine bessere Zukunft zu glauben, sagte Lam.


1985, nach dreieinhalb Jahren im Flüchtlingslager, wurde Lam und sein Sohn angeordnet das Lager zu verlassen nachdem seine Frau bedroht wurde. Do, der wusste, dass das Lager nach Lams Abreise nicht mehr sicher sein würde, entschloss ebenfalls wegzugehen und hatte Glück, dass er mit Hilfe des Roten Kreuzes nach Dänemark einwandern durfte. Do und Lam waren auseinandergerissen und verloren über die Jahre den Kontakt. Do absolvierte eine Berufsausbildung in Dänemark und wanderte in die USA nach einem Zwischenstopp in England und Japan. Was er nicht wusste, dass auch Lam in die Vereinigten Staaten immigrierte nachdem er kurzfristig auf den Philippinen lebte, als er das Flüchtlingslager verlassen musste.

Do sagte, dass er dankbar war Lam noch einmal wiederzusehen und dass es ihn nicht überraschte, dass sich bei Lam nichts geändert habe, wenn es um die Hilfe anderer gehe.

Heutzutage hat Lam in Oakland  ein ziemlich bescheidenes Leben, er erhält Sozialbezuschussung und spart jeden Cent für Kinder und Mönche in Kambodscha. Seit 1994 konnte Lam es organisieren, dass er einmal pro Jahr nach Kambodscha und Vietnam reisen kann, er spendet Geld und Lebensmittel aus eigener Tasche an Tempel, um die Schulausbildung der dortigen Kinder zu unterstützen.

„Das Leben ist nun anders; wann immer ich zurück nach Kambodscha und Vietnam reise, um meine Wohltätigkeitsarbeit auszuführen, ist die Regierung glücklich mich zu sehen. Sie respektieren mich und heißen mich willkommen. Sie wissen, dass ich ein guter Mensch bin”, sagte Lam.

Lam nutzte auch die Möglichkeit seine fünf Töchter zu besuchen, die noch in Vietnam leben. Er stellte einen Einwanderungsantrag für seine Töchter, aber alle wurden abgelehnt, außer jener der jüngsten Tochter, da die US-Behörden der Ansicht waren, dass die anderen Personen nicht seine wirklichen Kinder seien.

„Ich muss acht Jahre warten bis meine jüngste Tochter zu mir kommen darf”, sagte Lam, der hofft, dass seine Tochter kommt und sich um ihn kümmern wird.


Quelle: www.newamericamedia.org