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Hanoi: Mädchen wurde 13 Jahre lang grausam gefoltert

Nachdem mehrere Zeitungen von der Folterung eines Mädchens berichtet hatten, hat heute (07.11.07) die Polizei vom Bezirk Thanh Xuân (Hà Nội) das Ehepaar Chu Văn Đức und Trịnh Hạnh Phương, Besitzer eines Nudelsuppen-Geschäfts, wegen Menschenquälerei verhaftet.
Nachdem mehrere Zeitungen von der Folterung eines Mädchens berichtet hatten, hat heute (07.11.07) die Polizei vom Bezirk Thanh Xuân (Hà Nội) das Ehepaar Chu Văn Đức und Trịnh Hạnh Phương, Besitzer eines Nudelsuppen-Geschäfts, wegen Menschenquälerei verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, das Mädchen Nguyễn Thị Bình mehr als 10 Jahre grausam gefoltert zu haben.

Nguyễn Thị Bình war 13 Jahre lang in der "Hölle"
Die Ermittlungsbehörden haben die Durchsuchung der Wohnung des Ehepaars Đức, Phương in 24 Gasse 108 Nguyễn Trãi (Nhân Chính, Thanh Xuân) angeordnet. Herr Lê Mạnh Tuấn, Polizeichef vom Bezirk Thanh Xuân teilte der Online-Zeitung VnExpress mit, die Behörden können sich erst jetzt eingreifen, weil das Mädchen Nguyễn Thị Bình keine Anzeige erstattet hat und auch kaum Kontakt zu anderen Menschen in ihrer Umgebung hatte. Leute, die von der Sache wussten, wollten Schwierigkeiten meiden und haben deshalb das Problem auch nicht weitergegeben.

“Meine Hausherren haben mich mit einer Zange am Bauch gezerrt, mit Stromkabel gepeitscht und mir Heißwasser ins Gesicht gekippt...”, schildert Nguyễn Thị Bình, 21 Jahre alt, über Folterpraktiken ihrer Hausherren im Laufe ihrer 13 "Dienstjahre" in einem Nudelsuppengeschäft in Hà Nội.

Hölle auf Erden
Wir fahren zu dem Bauernhof von Frau Hà Thị Bình (Frau Bình, wohnhaft in Nr. 55 Stadtteil Chính Kinh, Hà Nội) nach Hà Tây, 25 km von Hà Nội entfernt, wo sich das seit mehr als 13 Jahren gequälte Mädchen Nguyễn Thị Bình versteckt hält.
Bình kommt raus. Sie läuft etwas schief und schleppt sich mit schweren Schritten über den Boden, deren Körper deutlich seitwärts nach rechts verlagert. Bình kann sich nicht mehr an das Geburtsdatum erinnern. Sie weiß nur, dass sie im Jahr 1986 geboren wurde. Erzählungen der Nachbarn zufolge kam Bình in der Wohnung ihrer Tante in Phú Thọ zur Welt. Ihre väterlichen Verwandten wollten sie nicht anerkennen. Sie weiß nur, dass ihr Vater Hữu und ihre Mutter Nguyễn Thị Quảng (Bình trägt den Nachnamen ihrer Mutter) heißen. Im Alter von 8 Jahren kam Bình mit Mutter nach Hà Nội und lebt seitdem bei dem Ehepaar Chu Minh Đức und Trịnh Hạnh Phương.

Narben am ganzen Körper
Frau Nguyễn Thị Tuân, eine Nachbarin von dem Ehepaar Đức - Phương erzählt: "Einmal ging ich an dem Nudelsuppen-Laden Đức – Phương vorbei und sah, wie der Ehemann dem Bình zum Sortieren von Zwiebeln angewiesen hat. Im selben Moment befahl Frau Phương ihr, die Suppenschüssel zu holen. Da Bình nicht sofort aufgestanden hat, lief Frau Phương auf Bình zu und schlug mit der stumpfen Kante eines Messers auf ihren Kopf. Ich sagte darauf hin: 'Sie ist doch ein Kind, warum schlagen Sie sie so brutal?' Frau Phương drehte sich zu mir um und beschimpfte mich."

Bình bekam fast jeden Tag Prügel: für das Kaputtmachen von Suppenschalen, für das Vergessen Türen zuzuschließen; wegen zu langsam beim Tischdecken, wegen nicht genug Geld vom Kunden kassiert. Nicht selten wurde Bình zu Unrecht geschlagen, da der Hausherr nach dem Prügel den Grund genannt hat. Selbst wenn Bình dann ihre Unschuld beweisen konnte, wurde sie bereits von ihrem Hausherrn blutig geschlagen. Der Hausherr legte sich nach dem Prügel schlafen. Bình zeigt auf eine große Narbe am Bein uns sagt: "Einmal hatte ich aus Versehen das Schneidebrett auf den Fuß von Tante Phương fallen lassen. Ich habe mich sofort dafür entschuldigt. Tante Phương nahm aber ein spitzes Messer, stach in mein Bein ein und sagte: 'du hast mir wehgetan, also füge ich dir größeren Schmerzen zu.' Abends musste ich mich hinlegen, damit sie mich mit Stromkabel auspeitschen konnte."

Laut Darstellung von Bình, die Folterwerkzeuge, die das Ehepaar Đức - Phương verwendet haben, waren sehr vielfältig. Am häufigsten wurde aber die Peische aus 4fach zusammengelegten Stromkabeln, dessen Ende zu einem Knollen gebündelt wurde, eingesetzt. Vor dem Schlagen zwang das Ehepaar Bình sich nackt auszuziehen und aufs Bett zu legen. Sie peitschten abwechselnd auf Bình ein, sogar in den Brust- und Genetalbereich. "Es gab auch Male, wo Tante Phương kochendes Wasser auf mich geschüttet hat. Da ich nicht immer ausweichen konnte, habe auch mal Verbrennung bekommen. Mal wurde ich mitten im Schlaf von den Hausherren geschlagen, weil ich irgendetwas vergessen hatte zu erledigen. Je mehr Tante und Onkel auf mich böse waren, desto mehr hatten sie mich geschlagen. Ich durfte dabei nicht weinen oder schreien. Tante Phương hat angewiesen, wenn jemand mich wegen den Verletzungen fragt, soll ich erzählen, dass ich mir die Verletzungen beim Stolpern zugezogen habe", sagte Bình unter Tränen.

Hà Thị Bình: "Seitdem wir Bình versteckt haben, bekomme ich Drohungen vom Ehepaar Đức - Phương"
"Von den Foltermethoden habe ich vor der Auspeitschung mit dem Stromkabel nackt ausgezogen im Bett liegend, oder Treten in den Mund durch Onkel am meisten Angst", fügte Bình hinzu.

Im ganzen Gespräch sprach Bình immer von Tante und Onkel. Kein einziges Mal hat sie etwas Unhöfliches oder Feindseliges über ihre Peinigen, die sie 13 Jahre lang auf grausamster Weise erniedrigt und gefoltert hat, geäußert.

Beweise am Leibe
Als Bình die Bluse hochkrempelte, konnte manche Anwesenden in dem Raum des kleinen Hauses ihre Tränen nicht unterdrücken. Der ganze Rücken des 20jährigen Mädchens ist voll mit blauen Flecken übersät. In der Mitte des Rückens sind Spuren der Auspeitschung mit dem Stromkabel noch deutlich zu erkennen. Links und rechts vom Rippenbereich sind dunkle Striche und laute weiße Narben, Spuren der Folterung mit der Zange, zu sehen. Auch die Arme sind voll mit Blauflecken übersät. Der linke Beckenbereich ist dicken angeschwollen, deshalb läuft Bình etwas krumm. Bình zeigt auf die Finger- und Zehenspitzen und sagte: "Einmal kniff Onkel mit der Zange in meine Haut. Aus Schmerz habe meine mit der Hand die Zange weggedrückt. Onkel kniff daraufhin in meinen Finger, bis das Blut spitzte. Die Narbe ist heute noch zu sehen. Und bei diesem Zeh war die Strafe so, ich musste gerade stehen. Anschließend nahmen Tante und Onkel den Kleiderstock und warfen mit einem Ende auf das Großzeh."

Bình erzählte weiter: "Ich bekam genug Reis zu essen, aber die Beilagen bestanden nur aus 2 Scheiben Fleisch. Ich durfte oft nur das übrig gebliebene Essen, wenn Tante und Onkel fertig gegessen haben, nehmen. Jeden Morgen stand ich um 4 Uhr auf, um 2x20 Liter Wasserkanister in jedem Arm von der Wohnung bis ins Geschäft zu tragen. Bei einer Distanz mehrerer Hunderte von Schritten durfte es nicht länger als 5 Minuten dauern. Sonst gibt es Prügel. Mein Arbeitstag endete erst, wenn Tante und Onkel sich schlafen gelegt haben. Und das war meist gegen 22:30 Uhr. Ich mag sehr gerne Spielfilme angucken, aber auch da haben mir Tante und Onkel verboten. Wenn ich heimlich angucke, dann gibt es auch Prügel."

Gegenüber zwei Reporterinnen erzählt Bình unter Tränen: "Als ich zum ersten Mal Blutung bekam, fragte ich Tante, bekam von ihr jedoch keine Antwort. Also nahm ich das Tuch, mit dem Nudel zugedeckt wurde, und wischte ab. Die Müllgebührenkassiererin kannte meine Situation und schenkte mir Damenbinden. Tante hat das mitbekommen und prügelte mich. Danach verwendete ich nur noch Toilettenpapier dafür." Frau Hà Thị Bình bestätigt: "Als ich sie zur Untersuchung zum Arzt brachte, war ihr Genetalbereich angeschwollen und entzündet. Es blutete beim Wasserlassen. Dank der Behandlung hat sie sich einigermaßen erholt."

Retterin Nr. 2: Frau Oanh
In dem Ton eines ehrlichen Menschen schildert Frau Bình, Schwein- und Rindfleischhändlerin auf dem Markt Thanh Xuân - Đống Đa, ihre Rettungsaktion: "Dass Bình geschlagen wurde, wussten wir seit langem. Aber niemand wollte sich Ärger mit dem Ehepaar Đức – Phương einhandeln. Allein dass wir von Bình gesprochen haben, schimpfte Frau Phương mit uns und prügelte anschließend Bình noch brutaler, um uns damit zu warnen. Nachdem wir öfter grausame Misshandlungen am Bình zusehen mussten, habe ich mit Frau Oanh (Fleischlieferantin für das Nudelsuppen-Geschäft Đức - Phương) einen Rettungsplan ausgearbeitet. Gegen 19.10 Uhr fragten wir Bình, ob sie flüchten will. Sie war einverstanden. Laut Plan soll Bình gegen 8:30 Uhr dem 20. Oktober nach dem Einkauf sich in die Strasse Nguyễn Trãi begeben. Dort hatten wir ein Moped-Taxi vorbestellt. In diesem Moped-Taxi wurde sie bis zum Busbahnhof Sơn La gebracht, anschließend in der Wohnung eines Bekannten versteckt. Nur vor wenigen Tagen haben wir sie zu diesem Bauernhof bei Hà Tây geholt".

Das Mädchen erzählt schluchzend:"Ich träume von einer Familie mit Vater und Mutter und von der Schule. Ich freue mich, jetzt in Sicherheit zu sein, ohne täglich Prügel zu bekommen". Seit der Kindheit bis heute war Bình noch nie länger als 5 Minuten außer Haus. Selbst beim Tết-Fest mußte Bình im Haushalt arbeiten. Dafür hat sie bis jetzt nicht einmal einen Dong bekommen. Nicht einmal neue Kleidung hat man ihr gekauft. Sie kennt weder Geld noch ihre Heimat. Ihre Geburtsurkunde hat sie irgendwo verloren. Bình ist analphabetisch. Sie kennt lediglich nur einige Buchstaben wie A, C, E, was sie von dem Sohn der Hausherren beim Lernen abgeguckt hat.

Bình wischt sich die warmen Tränen vom Gesicht ab, hopft nach draußen in den Hof (wegen Schmerzen im Beckenbereich), um uns beim Wegfahren zuzuwinken. Wir haben bewusst nicht viel nach ihrer Mutter gefragt, da Bình zu uns extra darum gebeten hatte: "Ich bitte Sie, nicht nach meiner Mutter zu fragen. Einmal kam sie zurück, da dachte ich, dass sie gekommen ist, um mich wieder mitzunehmen. Meine Mutter hat zu mir gesagt, sie würde mich zum Tết-Fest abholen. Aber seit fast 10 Jahren höre ich nicht mehr von ihr".

Káp Long - Hồng Minh


Quelle:
www1.thanhnien.com.vn