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Mangel an Gesetzen verursacht alarmierenden Anstieg bei Krebserkrankungen

AUS DEM ORIGINALTEXT VON JOSEPH NGUYEN, NEW AMERICA MEDIA

Krebspatientin Nguyen Thi Nhan lebt seit vier Jahren in einem schmalen düsteren Flur der Onkologie eines Krankenhauses in Saigon. Die 60-jährige steht jeden Morgen um 4 Uhr auf, um mit niederen Tätigkeiten, wie Füttern und Waschen anderer Patienten zu helfen, um Geld für ihre eigene Behandlung zu verdienen. Sie gehört zu einer Zahl stark ansteigenden Krebspatienten in Vietnam, unter der die Gesundheitsversorgung des Landes droht zusammenzubrechen.

Experten sagen, dass die alarmierende Zunahme von Krebspatienten zum Teil auf die gestiegene Lebenserwartung zurückzuführen sei, aber sind auch der Ansicht, dass der extensive Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und der wachsende Verkauf verunreinigter Lebensmittel daran Schuld habe.

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Frau Nhan muss bei Unterstützern nach Essen fragen und nimmt ihre Mahlzeit direkt aus der Verpackung mit anderen Patienten im Flur ein. „Ich bin seit vier Jahren allein auf dem Krankenhausflur seit meine Familie unser Haus und unser Feld verkauft hat, um meine Brustkrebsbehandlung bezahlen zu können“, erklärte Frau Nhan, die aus der Provinz Lam Dong in Mittelvietnam kommt.

Ihr Ehemann hat sie verlassen. Ihre zwei Töchter arbeiten Teilzeit und studieren an weiterführenden Schulen in der Stadt. Ihren jüngsten Sohn hat sie zu ihrem Bruder geschickt, damit er dort leben kann.

Seitdem die Krankenversicherung von Frau Nhan ausgelaufen ist, muss sie im Krankenhaus arbeiten, um ihre Behandlungen bezahlen zu können. Sie ist der Meinung, dass der Krebs durch den Einsatz von Insektenschutzmitteln und Herbizide, die ihren Körper während der Arbeit auf dem Feld belasteten, hervorgerufen wurde.

„Ich besprühte regelmäßig Tee- und Kaffeplantagen mit Pestiziden und Herbiziden, deren Sprühnebel sich auf meinen Körper legte“, sagte sie und fügte noch hinzu, dass sie zu arm gewesen war sich Schutzkleidung zu kaufen.

Vor sechs Jahren wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, eine Brust wurde entfernt. Sie ist sich sicher, dass viele Patienten, die sie kennengelernt hat, Krebs aufgrund ihres in Armut geführten Lebens und der Arbeit in einer verschmutzten Umwelt bekommen haben oder weil sie verseuchte Lebensmittel aßen. Drei ihrer Nachbarn starben vor kurzem an Lungen- und Gebärmutterhalskrebs kurz nach der Diagnose.

Sie berichtete, dass viele Kranke gezwungen waren wieder nach Hause zu gehen und dort starben, weil sie sich die Behandlung nicht leisten konnten. Sie sagte, dass viele Leidende nur zum Krankenhaus zu Untersuchungen gingen, wenn der Krebs schon im Endstadium sei.

Kürzlich durchgeführte Studien weisen darauf hin, dass Vietnam eine geringe Überlebensrate für Krebsleidende hat, sogar nach Standards anderer Entwicklungsländer.

Die geschätzten Behandlungskosten für Brustkrebs fangen bei 80 Mio. Dong ($ 3 500) an und können auf das zehnfache steigen - weit über den finanziellen Möglichkeiten der meisten Menschen in einem Land, wo das Jahresdurchschnittseinkommen $ 2 000 beträgt.

Krebsexperten schätzen, dass in Vietnam jährlich bis zu 150 000 neue Krebsfälle dazukommen und 70 000 Todesfälle durch die Krankheit zu beklagen sind. Es ist die zweithäufigste Todesursache nach Herzkrankheiten. Männer leiden an Krebsarten, die Lunge, Leber, Rektum, Magen und Oberkiefer betreffen während Frauen meist in den Bereichen Brust, Gebärmutterhals, Lunge, Rektum und Schilddrüsen erkranken. 30 bis 50 % neuer Fälle sind auf Ess- und Trinkgewohnheiten zurückzuführen.

Nach Daten des Projekts „Globoscan“ der Welt Gesundheitsorganisation (WHO) sind die neuen Krebsfälle in Vietnam von 70 000 im Jahr 1998 auf 150 000 im Jahr 2012 angestiegen, das ist ein Zuwachs von mehr als 100 %.

Dr. Dang Huy Quoc Thinh, stellvertretender Direktor des Saigoner Onkologie Krankenhauses, eine der führenden Krebseinrichtungen Vietnams, warnte, dass die Anzahl neuer Fälle hochschießt.

Dr. Thinh berichtete auf einer Fachtagung, dass 12 000 Patienten im gesamten Jahr 2014 im Krankenhaus behandelt wurden, aber mehr als 13 000 Fälle in den ersten fünf Monaten des Jahres 2015 bearbeitet worden sind. Das Krankenhaus ist überfüllt mit Patienten, die sich manchmal zu dritt oder zu viert ein Bett teilen müssen.

Die illegale Belastung von Nahrungsmitteln mit chemischen Substanzen wird bei Fachleuten als wesentliche Ursache für den Anstieg gesehen. Künstlich durch Chemikalien gereifte Früchte sind im gesamten Land in den Auslagen zu sehen, obwohl es öffentlich bekannt ist, dass solche Chemie gesundheitsschädlich ist.

Eine Bäuerin in der südlichen Provinz Ben Tre, wo Früchte angebaut werden, sagte, dass örtliche Bauern und Händler Chemikalien hinzufügen, um die Frucht in einem Bündel gleichmäßig reifen und sie attraktiv aussehen zu lassen, um besseren Verkauf und Profit zu erzielen. Die meisten Konsumenten können nicht zwischen natürlich gereiften und mit Chemikalien behandelten Früchten unterscheiden.

Sie erzählte, dass verbotene Substanzen sehr leicht in örtlichen Geschäften für Pflanzenschutzmittel zu finden sind und die Verkäufer sie als Düngemittel tarnen, um Kontrollen durch Behörden zu entgehen. „Falls die Behörden etwas Verbotenes entdecken, werden sie wegschauen, wenn man ihnen Geschenke oder Geld anbietet“, erklärte die Bäuerin.

Experten berichteten, dass Acetylen und Ethephon oft für den Reifungsprozess verwendet werden, weil die Mittel günstig sind. Die langfristige Einnahme solch behandelter Früchte kann die Sehkraft, die Leber, Gallenblase, Herz und andere innere Organe schädigen.

Auch der Einsatz verbotener Substanzen bei der Schweinezucht ist mittlerweile weitverbreitet, warnte das Ministerium für Landwirtschaft und Entwicklung.

Am 31. August 2015 hatte die Unterbehörde des Veterinäramts von Saigon bekannt gegeben, dass es Schweine von 61 Chargen in zehn Schlachthäusern geprüft hatte und 10 positiv auf Salbutamol getestet wurden, welcher ein Wirkstoff für mageres Fleisch enthält, der hilft das Gewicht des Schweins innerhalb kürzester Zeit zu erhöhen.

Die Behörde forderte ihre Amtskollegen in sechs Provinzen - Ba Ria-Vung Tau, Ben Tre, Dong Nai, Long An, Tien Giang und Vinh Long - auf Schweine in die Stadt zu liefern, um Salbutamol festzustellen und die Verwendung des Mittels bei der Schweinezucht zu verhindern.

„Man muss es wirklich zugeben, dass Ämter und Behörden langsam gehandelt haben und wegschauten bei der Verwendung verbotener Chemikalien auf Bauernhöfen und in Schlachtereien“, sagte Nguyen Xuan Duong, stellvertretender Chef der Nutztierproduktionsbehörde, bei einer Presseerklärung am 31. August 2015.

Nguyen Quoc, ein leitender Veterinär aus der Dong Nai Provinz, erklärte, dass trotz des Verbots von 18 Chemikalien, darunter Salbutamol, Clenbuterol und Ractopamine, Bauern diese leicht auf Märkten oder in Geschäften für die Schweinezucht erhalten können.

Er sagte, dass jeder Bauer so 50 bis mehrere hundert Schweine heranziehen kann und einige den Tieren die Chemikalien für den Monat verabreichen bevor sie an die Händler verkauft werden. „Es ist sehr einfach diese Schweine zu erkennen, sie gehen langsam, atmen schwer und verenden sogar bevor sie verkauft werden“, beschrieb er.

„Die Bauern und Eigentümer der Schlachthäuser bieten den Behörden Bestechungsgeld an und alles ist in Ordnung", antwortete Herr Quoc. Viele verbotene Chemikalien werden für Früchte, Gemüse, Geflügel und Vieh eingesetzt. Aber auch Pestizide, die aus China importiert werden, sagte Nguyen Quoc, der sich fragt, ob die Zollbeamten tatsächlich effizient arbeiten.

Verseuchtes Essen wird unverblümt auf Märkten und in Läden verkauft und zielt darauf ab von den Armen gegessen zu werden, die keine andere Wahl haben. Reichere Leute können sich sichere Waren und Nahrungsmittel, welche aus Nordamerika oder Europa importiert werden, leisten.

Frau Nhan erzählte, dass sie nicht das Geld hat Früchte oder Fleisch zu kaufen und deshalb jedes Essen, egal welcher Qualität, zu sich nimmt, was ihr von anderen Leuten gegeben wird.

„Was mir am meisten Sorgen macht ist die Frage, wo wird mein Körper vor der Bestattung untergebracht. Ich hoffe, dass das Krankenhaus sich um meine Beisetzung und Einäscherung kümmert", sagte sie.


Siehe auch deutschsprachigen AFP Beitrag: Voller Pestizide - Kumquat-Früchte aus Vietnam
https://youtu.be/RcXgu8r14nY

Informationen zu Globoscan:
http://globocan.iarc.fr/Default.aspx


Quelle:
http://newamericamedia.org/2015/09/lack-of-regulation-blamed-for-alarming-surge-in-cancer-rate-in-vietnam.php