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Letztes UpdateMo, 13 Nov 2017 9pm

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Đặng Xuân Diệu im Interview

Ich wollte bleiben und für das kämpfen an das ich glaube

Der vietnamesische Journalist und katholische Aktivist Đặng Xuân Diệu wurde am 12. Januar 2017 vorzeitig aus seiner Haft entlassen, die ursprünglich 13 Jahre betragen sollte.

Das vietnamesische Regime hatte ihn wegen staatsfeindlicher Aktivitäten angeklagt, da er kritisch über das kommunistische Land berichtete.

Wie die anderen politischen Häftlinge, die in letzter Zeit früher aus ihrer Haft entlassen wurden, war auch Đặng Xuân Diệu gezwungen worden ins Exil zu gehen. Er wurde umgehend bei seiner Freilassung in ein Flugzeug gesteckt, dass ihn nach Frankreich ausflog.

Vietnamesischer Bericht über die Ankunft von Đặng Xuân Diệu in Paris

 
Diệu, der als Journalist für Vietnam Redemptoristen Nachrichten arbeitete, ein Online Medium, das von katholischen Priestern und Aktivisten in Sài Gòn betrieben wird, erklärte, dass er an den gesonderten Misshandlungen im Gefängnis litt, die er in den letzten fünf Jahren erlebt hatte.

Er berichtete, dass es eine Situation gab, wo ihn das Gefängnispersonal mehrfach zusammenschlug, da er sich weigerte Gefängniskleidung mit der Aufschrift „Verbrecher“ zu tragen. In einem anderen Fall wurde er in eine Zelle zu anderen Insassen gesteckt, die ihn körperlich angriffen.

Diệu, der häufig in Einzelhaft kam, in eine Zelle, wo es keine Toiletten oder sauberes Wasser gab, sagte, dass er mehrere Hungerstreiks durchführte, um gegen die eigene Misshandlung und die der Mithäftlinge zu protestieren.

Trotz der Misshandlungen und Entbehrungen, die er erleiden musste, erklärte Diệu, dass er sich vehement weigerte, das Gefängnis zu verlassen, um ein Leben im französischen Exil zu führen.

In einem Interview mit der Vereinigung CPJ (Committee to Protect Journalists), sprach Diệu über seine furchtbarste Zeit im Gefängnis und seine Hoffnungen auf den Wandel in Vietnam.

CPJ: Was waren die Bedingungen für Ihre vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis?

Diệu: Als die EU und die französische Regierung mir zuerst Asyl anboten, weigerte ich mich, da ich kaum Informationen hatte und das mit meiner Familie besprechen wollte. Nach einer Zeit konnte ich sie kontaktieren und erfuhr, dass meine Familie wollte, dass ich gehe. Während dieser Zeit war ich verwirrt, da ich in Einzelhaft gehalten wurde. Ich hatte das Gefühl, ich sollte gehen, um auf meine Gesundheit aufzupassen und dass sich meine Mutter weniger Sorgen machen müsste.

CPJ: Hatten Sie die Möglichkeit in Vietnam zu bleiben?

Diệu: Ich wurde gezwungen ins Exil zu gehen und hatte keine Wahl in Vietnam früher entlassen zu werden.

CPJ: Konnten Sie vor Ihrer Freilassung mit Ihrer Familie sprechen?

Diệu: Die EU bat Vietnam darum, dass ich meine Familie vor meiner Abreise nochmal treffen dürfte, aber das wurde erst in letzter Minute erlaubt. Doch das wäre für meine Familie unmöglich gewesen, da ich im Süden Vietnams in Gefangenschaft war und meine Angehörigen im Norden leben. Die Regierung sagte mir dann, dass ich fünf Minuten Zeit hätte mit meiner Familie am Telefon zu sprechen, bevor mein Flug losging. Aber nie hatte bisher ein anderer Gefangener die gleiche Möglichkeit gehabt, deshalb verweigerte ich mich das Angebot anzunehmen.

CPJ: Wie schwierig war es für Sie der Abschiebung ins Exil zuzustimmen?

Diệu: Es war unmöglich schwierig, denn als Vietnamese und Aktivist wollte ich wirklich in Vietnam bleiben und für das kämpfen, an das ich glaube. Ich wollte in meinem eigenen Land leben und mit meinen Freunden und Unterstützern zusammen sein. Aber zur gleichen Zeit musste ich auf meinen Gesundheitszustand aufpassen um zu überleben, was wohl unter der brutalen Behandlung in der Haft nicht möglich gewesen wäre.

CPJ: Es gab Berichte von Ihren Angehörigen, dass Sie während der Haft misshandelt wurden. Könnten Sie kurz beschreiben, wie das Gefängnisleben war und welche Misshandlungen Sie ertragen mussten.

Diệu: Ich wurde oft vom Gefängnispersonal geschlagen, da ich nicht meine Schuld eingestehen wollte. Ich weigerte mich auch Häftlingskleidung zu tragen, da ich mich nicht als Kriminellen ansah. Das Ergebnis war, dass mich das Personal oft schlecht behandelte und mir während meiner fast sechsjährigen Gefangenschaft nicht erlaubte mich mit einem Familienmitglied zu treffen. Oft erlaubten sie anderen Verbrechern mit mir in einer Zelle zu sein, damit sie mich körperlich und mental bedrohen konnten.

Wenn ich mich dann beschwerte, dass sich nichts änderte, so war ein Hungerstreit das Ergebnis. Ich ging oft in den Hungerstreik und zwang das Personal die schlechte Behandlung einzustellen. Es sind insgesamt 300 Tage, die ich in den Hungerstreik gegangen bin.

CPJ: Glauben Sie, dass man Sie herausgepickt hat? Was war der Grund?

Diệu: Natürlich hatten die mich auf dem Kieker. Einige andere Gefangene wurden auch schlecht behandelt, aber sie wagten es nicht sich dagegen zu erheben, deshalb mussten sie nicht das durchmachen, was mir widerfuhr.

Der Grund warum man mich rauspickte, war dass ich mich weigerte meine Schuld anzuerkennen und auch keine Häftlingsklamotten tragen wollte und oft gegen die miese Behandlung von Mitgefangenen protestierte, wenn diese zusammengeschlagen wurden.

CPJ: Würden Sie die Übergriffe, die Sie erdulden mussten schon als Folter bezeichnen? Werden Sie in medizinische Behandlung gehen aufgrund posttraumatischer Symptome?

Diệu: Ja, die Übergriffe und unmenschliche Behandlung, die ich im Gefängnis erleben musste, ist als Folter einzustufen. Ich sagte das sogar noch, als ich in Haft war und schickte viele Briefe an die Gefängnisverwaltung, aber die taten überhaupt nichts.

Das erste, als ich in Frankreich ankam, war mich in medizinische Behandlung zu begeben. Ich merke bis heute, dass ich mich an viele Dinge nicht erinnern kann und Sachen schnell vergesse. Ich hoffe, dass ich das bald behandeln lassen kann.

CPJ: Wie ist Ihre jetzige Situation und was sind Ihre Pläne?

Diệu: Seit meiner Ankunft in Paris habe ich vielen Organisationen und Einzelpersonen assistiert. In der Zukunft hoffe ich, dass ich meine Arbeit zur Verteidigung eines freien und besseren Vietnams fortführen kann und für die vietnamesische Gemeinschaft ein nützliches Mitglied sein werde.

CPJ: Haben Sie Hoffnung, dass die neue US Regierung Druck auf Vietnam ausüben kann, was die Verbesserung der Pressefreiheit betrifft?

Diệu: Ja, ich habe Hoffnung, dass die US Regierung die Pressefreiheit in Vietnam voranbringen kann. Aber ich denke, dass es letztendlich von unseren Landsleuten und nicht von den USA oder einer anderen Nation ausgehen muss, um Pressefreiheit zu fordern.

Es müssen sich die fast 100 Mio. Vietnamesen erheben und für ihre eigenen Rechte kämpfen, dazu gehört die Meinungsfreiheit, das Versammlungsrecht und das Recht selbst die Staatslenker wählen zu können, was bis heute von der rechtswidrigen Kommunistischen Partei Vietnam verweigert wird.

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass ich die Möglichkeit bekommen habe über meine eigene Situation in Vietnam zu berichten.


Das Interview erschien bereits im Februar 2017 bei CPJ.


Quelle:
https://cpj.org/blog/2017/02/i-wanted-to-stay-and-fight-for-my-beliefs-says-jai.php