Mo11192018

Letztes UpdateDo, 08 Nov 2018 1pm

Back Aktuelle Seite: Unterhaltsames Unterhaltsames Bücher Memoiren eines wahren Nationalisten - Nguyễn Công Luận

Memoiren eines wahren Nationalisten - Nguyễn Công Luận


In einem Interview im November 2016 für die Webseite diaCritics, ein Onlinemedium für Kultur und Literatur der vietnamesischen Diaspora, erläuterte Nguyễn Công Luận (* 1937 - † 2017) die Beweggründe seiner Memoiren „Nationalist in the Viet Nam War: Memoirs of a Victim Turned Soldier“, die bereits 2012 veröffentlicht wurden.

Obwohl er zu dieser Zeit bereits an Parkinson litt, waren sein Geist und seine Erinnerungen noch sehr scharf und präzise - seine Leidenschaft für sein Volk und die Südvietnamesische Armee (ARVN) offenkundig in allen Aspekten seines Lebens.


diaCritics: Was war Ihre Motivation für das Buch?

Luận: Der Grund dafür ist, dass ich die Menschen in Vietnam und in der Welt wissen lassen möchte, was genau im Vietnamkrieg geschah, da die meisten Informationen darüber von Journalisten verbreitet wurden, die kein Vietnamesisch sprachen. Sie sprachen nur Englisch oder Französisch. Sie verstanden kein Vietnamesisch und auch nicht die vietnamesische Bevölkerung. Die ausländischen Journalisten kannten nur wenige Einheimische während des Krieges und deshalb verstanden sie nicht die allgemeinen Eigenschaften der Vietnamesen. Die ausländischen Berichterstatter hatten eine Voreingenommenheit gegenüber dem Krieg und waren durch die kommunistische Propaganda beeinflusst, was dazu führte, dass sie Falschinformationen Glauben schenkten – Sie wissen ja, Kommunisten verfälschen Informationen. Die Kommunisten verbreiteten Lügen über schlimme Sachen, für die die Südvietnamesische Armee verantwortlich gemacht wurde, damit die Menschen glauben sollten, dass die Armee Südvietnams eine Marionette der Amerikaner sei. Sie betrieben psychologische Kriegsführung. In meinen Memoiren will ich den Menschen die Wahrheit vor Augen führen und begründen, warum wir gegen die Kommunisten kämpften – nicht, weil wir amerikanische Marionetten waren, sondern wir wollten die Unabhängigkeit vom Kommunismus, um ein prosperierendes Südvietnam aufzubauen in dem die Menschenrechte geschützt und verbessert werden konnten.

nguyen cong luan

diaCritics: Wie sind Sie in Vietnam zu einem Nationalisten geworden?

Luận: 1945 dachten viele, dass die Kommunisten Glückseligkeit über das Land bringen würden. Aber als die Franzosen zurückkehrten, um ihre Kolonie in Vietnam zu reorganisieren, da kämpften die Menschen gegen die Franzosen. Diese Situation nutzten einige aus, um die Kommunistische Partei wiederaufzustellen. Mit der gesamten Macht der Unterdrückung zwangen sie jeden ein Mitglied ihres gleichen zu werden.

In der Zeit 1945 bis 1946 existierte das Wort „Nationalist“ noch gar nicht als vietnamesische Vokabel. Es passierte als die Kommunisten auftauchten und ihre Diktatur in Nord- und Südvietnam anwandten. Nationalisten sind Leute, die an die Unabhängigkeit des vietnamesischen Volkes glauben, aber anti-kommunistisch sind. Um anti-kommunistisch zu sein schlugen sie sich temporär auf die Seite Frankreichs, denn sie mussten sich zwischen zwei Feinden entscheiden – den Franzosen und den Kommunisten – sie mussten wählen mit wem sie besser leben konnten. Die Việt Minh ermordete Menschen, so flüchteten die Leute in die französisch kontrollierten Gebiete, um dort zeitweise zu überleben und gegen die Kommunisten zu kämpfen.

Ich möchte den Menschen über den Ursprung des Krieges mit den Việt Minh berichten. Die Kommunistische Partei verübte viele Gräueltaten und mit der Politik der Unterdrückung brachten sie die Menschen unter ihre Kontrolle – sie bestimmten das Leben der Menschen und ermordeten alle andersdenkende. Sie beseitigten jedes Mitglied der Nationalistischen Partei. Mein Vater wurde 1948 verhaftet und starb 1951 in einem Gefangenenlager. Im Jahre 1949, als mein Vater im Lager der Kommunisten inhaftiert war, besuchte ich ihn und erzählte, dass ich bald mit der Schule fertig sein würde. Mein Vater bat, dass ich mich in die Armee der Nationalisten einschreiben sollte, um für unser Volk zu kämpfen. Deshalb ging ich zur ARVN, da es ein Wunsch meines Vaters war.
 
Zuerst im Jahre 1951, arbeitete ich für die Việt Minh, da es nur sie in meiner Umgebung gab. Noch im gleichen Jahr riefen sie das Programm gegen Gutsherren ins Leben und töteten jeden, egal ob die Person gut oder schlecht war, es reichte für das Todesurteil Gutsherr zu sein. Ich sah so viele Dinge, die ich nicht akzeptieren konnte und schloss mich den Nationalisten an.

Ich war Parteimitglied eines Verbands der Nationalisten in meiner Schule. Wir arbeiteten sehr hart und wir schafften es anti-kommunistische Flugblätter zu verteilen, die wir auch französischen Soldaten geben konnten, damit sie uns im Kampf für die Unabhängigkeit des vietnamesischen Volkes unterstützen sollten.

Zu den nationalistischen Parteien zählten, die Việt Nam Quốc dân Đảng bzw. Việt Quốc, welche eine der Hauptparteien war, die die Kommunisten während der Bảo Đại Regierung bekämpfte. Eine andere Partei war die Đại Việt, die sich mit Việt Quốc zusammenschloss, um gegen die Kommunisten und Franzosen zu kämpfen. 1946 litten sie alle unter den Việt Minh und einer Säuberungskampagne, die darauf abzielte die anderen Parteien zu beseitigen. Zu jener Zeit standen die ländlich geprägten Gebiete unter ihrer Kontrolle. Die Đại Việt kooperierte mit den Franzosen, um die Việt Minh zu eliminieren.

Am Ende gab es nur zwei Lager – die Việt Minh und die Nationalisten. In Wirklichkeit mochten die Franzosen die Nationalisten nicht, aber gewährten der Nationalen Partei Schutz, um sie für den Kampf gegen den Kommunismus zu nutzen.

diaCritics: Wann traten Sie der Südvietnamesischen Armee bei?

Luận: Als Vietnam 1954 geteilt wurde beschloss ich in den Süden zu gehen. Zu dieser Zeit war die Nationalistische Armee nicht gut aufstellt. Es herrschte durchweg Korruption. Ich trat ein, da viele meiner Freunde sagten, dass ich ein ehrenhafter, intelligenter und gebildeter junger Mann sei, der sich gut mit Politik auskannte. Sie sagten, dass ich eintreten sollte, um die Armee zu verbessern, denn mit einer schlechten Armee kann man nicht gegen die Kommunisten und Chinesen kämpfen. Zu jener Zeit gingen wir davon aus, dass China in Vietnam intervenieren würde. Ich trat 1955 ein und wurde Mitglied der Südvietnamesischen Streitkräfte.

diaCritics: Wie war es unter der französischen Kolonialherrschaft zu leben?

Luận: Es war sehr frustrierend, da die Franzosen zu jener Zeit alles kontrollierten – die Wirtschaft, die Ausgabe des Geldes, das Finanzwesen in Vietnam. Die französische Armee verübte auch viele Gräueltaten gegenüber Vietnamesen – Vergewaltigung, Mord; sie respektierten nicht die Menschen, sie vergewaltigen Frauen in aller Öffentlichkeit, deshalb hassten die Menschen die Franzosen.

diaCritics: Ihre Erinnerungen sind so detailliert. Wie erinnern Sie sich an alle Einzelheiten? Führten Sie persönliche Tagebücher?

Luận: Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis, was ich von meiner Großmutter geerbt habe. Sie lernte und kannte viele chinesische Schriftzeichen. Mein Großvater war ein ehrenhafter Mann, niemand fürchtete sich vor ihm. Aber meine Großmutter war eine starke Frau – sie beschützte ihren Ehemann und den Familienbesitz erfolgreich. Niemand konnte ihr Angst einflößen und sie erinnerte sich an alles, was sich ereignet hatte: Die Geburtstage aller Familienmitglieder seitdem sie 10 Jahre alt war. Sie kannte alle Namen in unserem Familienstammbaum und alles was in der Stadt und Provinz passierte.

Als die Franzosen das erste Mal in die Stadt kamen – sie erinnerte sich an jedes Detail. Als Kind stellte ich ihr viele Fragen, z.B. wer wann verstorben war und sie nannte das genaue Datum. Ich habe das von ihr geerbt. Als ich heranwuchs hatte ich ein gutes Gedächtnis für Zahlen und selbst heutzutage erinnere ich mich an meine beiden Telefonnummern in Sài Gòn.

diaCritics: Wie sind Sie in die Vereinigten Staaten gekommen?

Luận: 1975, als ich bei einem Ausbildungsprogramm für höhere Offiziere in den USA teilnahm, gab es Gerüchte, dass Sài Gòn kurz vor dem Fall stehe und die Kommunisten auf dem Weg seien die Städte Huế und Đà Lạt anzugreifen. Ich hatte Freunde, die mir anboten einen Ausweis zu erhalten, um in den USA zu bleiben, aber ich hatte noch eine Frau und Kinder in Vietnam und deshalb entschied ich zurückzukehren. Außerdem wollte ich nicht mein Land aufgeben. Kurz bevor ich das Flugzeug nach Vietnam bestieg hatte ich einige schlaflose Nächte. Am 3. April, einige Wochen bevor Sài Gòn fiel, kam ich zurück nach Vietnam, obwohl ich wusste, dass ich sehr leiden würde. Aber ich wollte kein Deserteur sein. Als ich in Sài Gòn war, während die Stadt an die Kommunsten fiel, versuchte wir zu fliehen, es war aber nicht möglich – so blieb uns nichts anderes übrig als zu bleiben. Ich wurde verhaftet und kam am 15. Mai 1975 in ein kommunistisches Umerziehungslager. In den nächsten sechseinhalb Jahren musste ich harte Zwangsarbeiten verrichten – die ganze Zeit hungerte ich und war kränklich.

diaCritics: Erzählen Sie uns etwas mehr über die Zeit in den Umerziehungslagern.

Luận: Ich war insgesamt in sieben Arbeitslagern gewesen. Dort versuchten uns die Kommunisten einzuschüchtern und gingen hart mit uns um, bedrohten uns, sollten wir weiterhin anti-kommunistisch eingestellt sein. Auf jede erdenkliche Weise maßregelten sie uns, um Angst zu schüren, sollten wir gegen sie arbeiten. Jeder der versuchte zu fliehen, aber scheiterte, wurde erschossen. Wenn sie mitbekamen, dass man etwas gegen sie sagte, dann warfen sie einen in ein dunkles Loch oder eine Zelle.

Ich wurde 1982 entlassen. Zu dieser Zeit gab es in den Vereinigten Staaten eine Bewegung, die forderte ehemalige ARVN Soldaten in die USA zu bringen. Die öffentliche Meinung über den Krieg war gegen den Kommunismus, deshalb geriet das vietnamesische Regime unter Druck die ARVN Soldaten zu entlassen. Als ich aus der Haft entlassen wurde, kehrte ich Heim, aber ohne Staatsbürgerschaft. Das bedeutet ich war nicht an dem Verteilungsprogramm berechtigt, was die Kommunisten aufgebaut hatten, welches Nahrungsmittel rationierte. Ich war außerhalb des Versorgungssystems und abhängig von meiner Frau und den Kindern. Letztendlich hatte ich eine Arbeit gefunden, um Menschen Englisch beizubringen. Viele Leute wollten das Land verlassen und in die USA. Ein Programm erlaubte ehemalige ARVN Soldaten in die USA zu kommen, deshalb wollten viele Menschen Englisch lernen, um sich auf ein Leben in den USA vorzubereiten.

diaCritics: Auf welchen Teil Ihrer Memoiren soll der Leser besonderes Augenmerk legen?

Luận: Ich möchte gerne, dass die Menschen den Unterschied zwischen dem Charakter der französischen und amerikanischen Soldaten in Vietnam verstehen. Viele Leute erinnern sich noch, was die Amerikaner den Menschen in Vietnam gegeben hatten: Sie gaben den Menschen Nahrungsmittel, Geschenke, führten eigentlich sehr teure medizinische Behandlungen durch, z.B. Operationen, wenn dieses erforderlich war, aber verlangten kein Geld für diese Dienstleistungen. Vielen Menschen sollte weisgemacht werden, dass Amerikaner Südvietnamesen umbringen oder vergewaltigen würden, z.B. Babys töten und vietnamesische Erzeugnisse konfiszieren würden, um sie dann in die USA zu bringen. Viele dieser Behauptungen waren Lügen der Kommunisten, damit Hass gegen die Amerikaner entstehen sollte.

Hier ein Beispiel: Im Oktober 1969 behaupteten die Kommunisten, dass während des Krieges die Menschen in Südvietnam verhungern würden, deshalb hätte das nordvietnamesische Volk 20 000 Tonnen Reis für die Menschen im Süden gesammelt. Die Kommunisten gab an, dass die gesamte Reisernte im Süden konfisziert und in die USA gebracht worden sei – das ist nicht wahr. Wir [Südvietnamesen] haben nie irgendwas aus dem Norden erhalten.

Ich möchte aber auch, dass die Menschen verstehen, dass die ARVN viele Kampfeinsätze hatte und diese erfolgreich für sich entscheiden konnte. In meinen Memoiren erzähle ich über diese Kämpfe. Es gab große Kämpfe in Biên Hòa, die viele Leute nicht kennen oder über die nicht akkurat berichtet wurden.

diaCritics: Erzählen Sie uns etwas über das Chiêu Hồi (dt.: offene Arme) Programm, dass Sie leiteten.

Luận: Das Chiêu Hồi Programm war eine große Kampagne in der 200 000 nordvietnamesische Soldaten erfolgreich gegenüber Südvietnam kapitulierten und sich entschieden von der Kommunistischen Partei zu desertieren. Das war für diese Menschen eine schwierige Entscheidung. Die 200 000 Deserteure hätten ausgereicht um 15 Kampfeinheiten aufzustellen. Viele Deserteure schlossen sich der südvietnamesischen Seite an und erlebten viele Siege mit uns.

Diese Soldaten gaben uns wertvolle Informationen, die halfen die Kommunisten zu zerstören. Ein Beispiel: Ein Chiêu Hồi Soldat berichtete exakt über die Lage eines kommunistischen Konvois, der Munition und Waffen entlang des Hồ Chí Minh Pfades transportierte. Dank dieser Information konnte die Südvietnamesische Luftwaffe 200 Lastwagen zerstören. Als Belohnung erhielt der Chiêu Hồi Soldat 2 Mio. Piaster.

1969 berichtete uns ein Chiêu Hồi, dass in der Provinz Vũng Tàu eine Gruppe von Kommunisten am nächsten Morgen um acht Uhr ca. 60 Ladungen auf militärisches und ziviles Personal abfeuern wollten. Wäre die Gruppe erfolgreich gewesen, hätte es mindestens 200 Tote gegeben. Doch Dank der Information konnten ARVN Soldaten präparierte Mörsergranaten aufspüren. Der Chiêu Hồi erhielt über 1 Mio. Piaster Belohnung, jedoch wollte der Mann nur ein Drittel und spendete den Rest an ein Waisenhaus.

Im Jahr 1972 wurde ein Krankenhaus in Vĩnh Long von kommunistischen Soldaten überfallen und die Patienten als Geiseln festgehalten. Chiêu Hồi Soldaten stürmten in das Krankenhaus, um die Patienten zu retten, dabei verloren sie 19 Männer, konnten aber 200 Geiseln retten. Das war wirklich eine tapfere Aufopferung.

diaCritics: Was sind Ihre Erinnerungen an die Tết Offensive?

Luận: Die Berichte, die dem amerikanischen Volk über die Tết Offensive 1968 bekannt sind, enthielten viele Ungenauigkeiten. Zum Beispiel ist wenigen bekannt, dass die Kommunisten meist untrainierte Soldaten in die Kämpfe nach Sài Gòn während der Tết Offensive schickten. Es handelte sich um Wehrpflichtige ohne Ausbildung. Mit großen Zahlen an Soldaten versuchten die Kommunisten das Manko zu überwinden, da viele nicht wussten, wie man kämpfte. Defacto waren die jungen wehpflichtigen Kommunisten für die ARVN Soldaten, wie Übungsziele. Ich sah, wie drei ARVN Einheiten diese jungen Kommunisten angriffen, die mit Gewehren aufmarschierten, die nicht mal geladen waren. Das Problem war, dass diesen Leuten mitgeteilt worden war, dass Sài Gòn schon befreit worden sei und sie den Bürgern helfen sollten. Deshalb marschierten sie stolz in die Stadt ein ohne zu wissen, dass sie in die Stadt gehen sollten, um diese anzugreifen. Sehr schnell wurden die Kommunisten von der Südvietnamesischen Polizei erschossen. Das passierte in ganz Sài Gòn, deshalb konnten die Kommunisten keinen Sieg erreichen. Diese jungen Wehrpflichtigen wurden von ihren Vorgesetzen getäuscht. Die Kommunisten waren vorbereitet Südvietnam um jeden Preis einzunehmen und schickten so viele Kämpfer, wie möglich. Sie kümmerten sich nicht um die Verluste. Ich kenne ein Beispiel: Ich traf einst eine Frau, die fünfmal nacheinander verheiratet war. Jeder ihrer Männer starb im Kampf für die Kommunisten. Die Kommunisten hatten 1968 so viele Verluste zu beklagen, weil sie nicht ausgebildete Soldaten ausgesandt hatten. Sie versammelten 100 000 Mann aus fünf Bezirken in großen Baracken, wo die Leute ein fünfminütiges Training an einer AK (Kalaschnikow) erhielten. Viele von ihnen hatten noch nie so ein Gewehr in der Hand gehalten. Dann wurden sie zum Kämpfen in den Süden geschickt und erhielten eine offizielle Nummer – etwa 200 Mann wurden zur 325. Division geschickt. Das hieß, wenn einer dieser Soldaten getötet wurde, wusste niemand wer er war. Die Toten wurden ohne jegliche Papiere oder Identifizierung in ungekennzeichnete Gräber beerdigt, meistens direkt an dem Ort, wo sie gefallen waren. Die Kommunisten brachten keinen Leichnam zurück nach Nordvietnam – sie ließen die Körper dort. Nach dem Krieg errichteten die Kommunisten Friedhöfe für viele dieser Soldaten – etwa 280 Gräber – aber als die Menschen die Gräber umgruben, stellte man fest, dass sich darunter keine sterblichen Überreste befanden. Die Toten waren irgendwo anders begraben – wahrscheinlich auf den Schlachtfeldern, wo sie starben.

diaCritics: Wenn Sie jungen Menschen etwas mitteilen könnten, was wäre das?

Luận: Ich würde den jungen Menschen sagen, dass es sehr viele Fehlinformationen über den Vietnamkrieg gibt, woraus ein falsches Verständnis über den Krieg resultiert. Die Wurzel des Krieges war, als die Việt Minh begannen, dass vietnamesische Volk zu unterdrücken und die Nationalistische Partei in Nordvietnam zu säubern. 1945 belogen die Việt Minh die Bevölkerung und sagten, dass sie die Besitztümer der Reichen an die Armen aufteilen würden. Die Armen glaubten diesen Versprechungen und unterstützten die Kommunisten.

Die Việt Minh erfanden meist die abstrusesten und unmöglichsten Geschichten, die man selbst nicht glauben kann, z.B. im Jahr 1945: Hồ Chí Minh hätte vier Pupillen. In den Dörfern zeigten sie den armen Menschen ein Bild von Hồ Chí Minh, wo vier Pupillen zu sehen gewesen sein sollen. Ziel sollte es sein, dass das Märchen der vier Pupillen Hồ Chí Minh als Symbol von Geistesgröße und Überlegenheit darstellen sollte. In Wahrheit war es nur reflektierendes Licht, was in Hồ Chí Minhs Augen bei der Fotoaufnahme die Pupillen anders aussehen ließ.

Die Kommunisten erfanden auch Geschichten von Gräueltaten, die Amerikaner begangen hätten, welche sich aber nie ereignet hatten. Zum Beispiel 1965, als ich in die Gegend von Bình Định umzog, begegnete ich einer Geschichte, die die Kommunisten verbreitet hatten. In dem Gebiet sollten Menschen von Amerikanern umgebracht und fünf Frauen vergewaltigt worden seien. Als ich dann nach Đà Nẵng fuhr hörte ich genau die gleiche Geschichte, allerdings waren es dort sieben Frauen, die vergewaltigt und 800 Menschen, die getötet worden seien. Ich brachte die Menschen aus den beiden Gebieten zusammen, um mich mit ihnen über diese Geschichte auszutauschen und die Menschen bestätigten, dass sich nichts von dem ereignet hatte. Die Berichte waren falsch, es hatte nicht mal ein US-Soldat das Gebiet betreten. Das ist ein Beispiel für Propaganda und Lügen, welche die Kommunisten in Vietnam verbreiteten.


Nguyễn Công Luận war Oberst der Südvietnamesischen Armee, geboren 1937 nördlich von Hà Nội, er verstarb im Januar 2017 an einem Herzinfarkt in San Jose, Kalifornien, USA.


Nationalist in the Viet Nam Wars: Memoirs of a Victim Turned Soldier
ISBN-13: 978-0253356871
Verlag: INDIANA UNIVERSITY


Quellen:
http://www.historynet.com/review-nationalist-in-the-viet-nam-wars-memoirs-of-a-victim-turned-soldier.htm
http://diacritics.org/2017/04/zora-mai-quynh-reviews-nationalist-viet-nam-wars/