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Ein großes Fest als Dank für Cap Anamur

Ein großes Fest als Dank für Cap Anamur

Huy-Hung Nguyen war gerade einmal zwölf Jahre alt, als er mit einem Fischerboot aus Vietnam flüchtete und vom Rettungsschiff Cap Anamur aus dem Meer gefischt wurde. Mit einem „Dankeschön-Fest“ bedankte er sich jetzt nach 25 Jahren „für das Glück, das ich hatte“. Mit dabei war auch der Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck.


 
 
Ohne den Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck (links) würden Huy-Hung Nguyen und seine Familie heute vielleicht nicht glücklich in Deutschland leben.
Bild: Richard Zeller
KORNWESTHEIM
 

Ein großes Fest als Dank für Cap Anamur

Huy-Hung Nguyen war gerade einmal zwölf Jahre alt, als er mit einem Fischerboot aus Vietnam flüchtete und vom Rettungsschiff Cap Anamur aus dem Meer gefischt wurde. Mit einem „Dankeschön-Fest“ bedankte er sich jetzt nach 25 Jahren „für das Glück, das ich hatte“. Mit dabei war auch der Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck.

„Ich bin einfach nur dankbar“, sagt Huy-Hung Nguyen zur Eröffnung des Fests, zu dem er Freunde, Verwandte und Kollegen auf das CVJM-Gelände eingeladen hatte. Dankbar dafür, dass er von der Cap Anamur gerettet wurde, dankbar dafür, dass er in Deutschland eine Ausbildung machen konnte, dank der er heute als Informatiker bei Bosch arbeitet. Dankbar für die Großzügigkeit der deutschen Regierung und dankbar für die Nächstenliebe. Kräftig wirbt er gleich zu Beginn für Spenden für die Grünhelme, die Rupert Neudeck 2003 gründete.
Dass diese Spenden mehr sind als ein Tropfen auf den heißen Stein, betont Rupert Neudeck, der mit der Cap Anamur 9507 Menschen aus dem Meer rettete: „Der Tropfen ist eine merkwürdige, pessimistische Formulierung. Ohne diese Tropfen hätte es die Cap Anamur nie gegeben.“ Denn es war die deutsche Bevölkerung, die die Cap-Anamur-Rettungsaktionen möglich machte. Gleich zu Beginn wurden 1,3 Millionen Mark gespendet, mit denen Neudeck die erste „Cap Anamur“ charterte und als Hospitalschiff einrichtete. „Wir konnten die Menschen nur aus dem südchinesischen Meer ziehen, weil es die Bevölkerung möglich machte, nicht die Regierung.“
Die Regierung hatte im Gegenteil eher versucht, Neudeck zu bremsen. Er solle nicht so viele retten, hieß es, sonst gebe es Ärger. „Und es gab Ärger“, erzählt Neudeck trocken, nach Meinung der Regierung wurden zu viele Vietnamesen gerettet. Rupert Neudeck ist aber stolz auf jeden einzelnen der 9507 Menschen und darauf, „dass sich diese Menschen so gut in die deutsche Gesellschaft eingefunden haben. Das ist ein Geschenk, das man eigentlich nicht verdient hat, eine Genugtuung“, sagt er und ein zufriedenes Lächeln umspielt seine Mundwinkel.
Das Lächeln erlischt auch nicht, als die bedrückenden Bilder von den Flüchtlingen in den Fischerbooten, die nicht für den Ozean ausgerüstet waren, gezeigt werden. „Die Menschen waren nach den drei Tagen furchtbar erschöpft, konnten kaum noch stehen“, erinnert sich Neudeck. Viele Kinder waren von der Sonne verbrannt und ausgetrocknet, da sie kein Wasser zum Trinken hatten. Vereinzelt ist ein Schluchzer während der Präsentation zu hören, vor allem als Rupert Neudeck deutlich macht, dass unendlich viel mehr Menschen ertrunken sind als gerettet wurden.
Nach 23 Jahren entließ Neudeck als „guter Vater“ die Hilfsaktion Cap Anamur in die Freiheit. 2003 gründete der heute 68-Jährige die „Grünhelme“. Die Organisation kümmert sich um den Aufbau von Schulen in Krisengebieten wie Afghanistan. „Den Namen Grünhelme hat uns der frühere Umweltminister Klaus Töpfer eingebrockt, der gesagt hat, dass die Uno nicht nur Blauhelme braucht, sondern auch Grünhelme.“ Wie viel auch hier der Tropfen auf den heißen Stein ausrichten kann, zeigt ein Beispiel: Eine Schule in Afghanistan für 800 Schüler kostet 40 000 Euro.

Patricia Rapp

 

Quelle : http://www.ludwigsburger-kreiszeitung.de

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