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Aufwendige Shows vereinen vietnamesische Diaspora in einer Feier von Kultur und Musik

Von My-Thuan Tran, Los Angeles Times

Die Musik und Varieté Show „Paris by Night“ im Las Vegas – Stil, welches traditionelle und gegenwärtige Elemente miteinander vereint, wird in Little Saigon, einem Straßenzug in Westminster, Kalifornien, produziert.

Tänzer drehen sich quer über die Bühne und die Seidengewänder schweben unter einer Brücke, die Vietnams Kaiserstadt assoziiert. Quang Le, ein junger bekannter vietnamesischer Sänger, gibt den Zuschauern ein Ständchen mit einem Lied über das Verlieben.

Plötzlich gibt es eine Explosion und die Brücke stürzt in sich zusammen, ein schreiendes Baby ist zu hören, als die Tänzer zu Boden fallen. Langsam erhebt sich Quang Le, Tränen laufen über sein Gesicht während er ein neues Lied über den Verlust der Unschuld singt.

Die Kamera schwenkt zu den 3000 Zuschauern und hält in einer Kameraeinstellung die tränenden Augen einer Person fest. Die Szene ist eine Nachstellung des brutalen Massakers der Viet Cong 1968 in Hue.

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Für viele Zuschauer – jene im Auditorium in Long Beach und jene, die es als DVD zu Hause schauen werden – ist es mehr als nur Unterhaltung. Es ist ein Stück Geschichte, das sie selbst erlebt haben.

Die Sequenz ist typisch für eine „Paris by Night“ – Produktion, aufwendige Musik-Varieté-Shows im Las Vegas-Stil haben den umkämpften Zuschauermarkt entwickelt. In den 27 Jahren sind die Multimillion-Dollar Shows zu einem internationalen Phänomen geworden und wurden selbst mit dem American Choreographie Award in derselben Kategorie, wie Celine Dion und Cher ausgezeichnet.

Die Shows finden tiefen Nachhall in den Generationen der vietnamesischen Amerikaner, die stolz ihre DVDs auf Regalen präsentieren, um sie an Feiertagen oder bei Familientreffen gemeinsam zu schauen. Mit der Mischung aus traditioneller vietnamesischer Folklore und modernen Popsängern zeigen die Shows ein farbenfrohes, vereinfachendes Panorama der vietnamesischen Erfahrung der Immigration.

„Paris by Night“ ergreift das Herz und achtet auf die Feinheit aus einer Mischung von lächelnden Tänzern in traditioneller vietnamesischer Kleidung und großen Stars wie Minh Tuyet – die so genannte vietnamesische Pop-Prinzessin – die auf der Bühne oft in Hot Pants auftritt.

Zur Gala Produktion gehören dutzende von Performern die vier bis fünf Mal im Jahr bei Großveranstaltungen von Los Angeles bis Seoul zusammen kommen.

Der Mann hinter all den Shows ist Peter Lai To, der die Produktion in einem kleinen Laden unweit des Einkaufszentrums von Westminster in einer Straßenzeile vertreibt, ist zum Sammelpunkt der vietnamesischen Popmusik weltweit geworden.

Neben Little Saigons Bolsa Avenue sind andere Konkurrenten entstanden, die ein „vietnamesisches Hollywood“ ins Leben gerufen haben, das Entertainer aus der ganzen Welt anzieht, inklusive Vietnam, wo die Musikproduktion durch den Kommunismus verzögert wurde.

Aber „Paris by Night“ erreicht den Goldstandard mit einigen Shows, von denen 60000 DVDs verkauft wurden.

„Wenn Sie nach England, Norwegen, Schweden, oder wo auch immer hinfahren und dort Vietnamesen antreffen, die meisten haben ‚Paris by Night‘ gesehen“, sagte To, 74.

Aber das weltweite Erscheinen der DVDs hat die Zukunft von „Paris by Night“ zu einem Risiko gemacht. Der Bekanntheitsgrad ist auch das Ergebnis der wuchernden Piraterie, erklärte To und dass es auch den Shows schaden könnte.

Er verbrachte die letzten Monate damit die bisher größte spektakuläre Show zu planen – eine $2 Mio. Las Vegas Show am Wochenende des 4. Julis; das Programm beinhaltete außerdem noch fliegende Akrobaten und Spezialeffekte.

Aber es gab auch die wachsende Angst bei den Darstellern und Fans, dass es vielleicht die letzte Show war.

In der Erfahrung der Diaspora verwurzelt

Die Entstehungsgeschichte von „Paris by Night“ fängt dort an, wo auch die Geschichte von Millionen vietnamesischer Einwanderer beginnt: 1975 mit dem Fall von Saigon, der auch gleichzeitig die vietnamesische Diaspora international entstehen ließ.

To und seine Familie flohen aus Vietnam und ließen sich in Paris nieder. Dort arbeitete der ehemalige Philosophie-Professor in einer Tankstelle als Gehilfe.

Aber er und seine Freunde hatten Heimweh und sehnten sich nach der vietnamesischen Musik. So trafen sie sich nach der Arbeit und sangen und spielten mit Gitarren die klassischen Lieder.

To hatte auch noch Musikkassetten, die er während seiner Flucht bei sich trug.

„Vietnamesen lieben ihre Musik“, sagte er. „Egal wo sie ankamen, kaum hatten sie das Land betreten und schon kopierten und kauften sie sich gegenseitig ihre Musikkassetten.“

1983 hatte To die Idee Musikvideos im MTV-Stil auf Kassetten zu produzieren. Mit dem Ersparten von $19000 nahm er Kontakt zu einem Freund auf, Jean-Pierre Barry, dem Besitzer von Euro Media Television, der half das erste „Paris by Night“- Video in einem Fernsehstudio zu produzieren.

Schon bald zog To nach Orange County, um seine Videos der vietnamesischen Bevölkerung Amerikas anzubieten. Thuy Nga Productions machte schließlich 1990 den Schritt Videos zu produzieren, die in Front der Zuschauer live aufgezeichnet wurden. Schließlich vermarktete man die Aufnahmen an die vietnamesischen Videoläden und Einzelhändler weltweit.

To erkannte, dass egal wo die Zuschauer nun lebten, die Videos eine universelle Nostalgie unter den vietnamesischen Einwanderern hatten. Die Shows wurden ständig in vietnamesischen Nudelrestaurants und Schönheitssalons abgespielt.

„Wenn Sie ein vietnamesisches Kind in Utah waren, da gab es keine vietnamesischen Fernsehsender“, sagte Marie To, 46, leitende Produzentin der Serie und Peter Tos Tochter.
„Die einzige Unterhaltung war ‚Paris by Night‘.“

Für viele Fans ist „Paris by Night“ ein gelungenes Werk, das altes mit neuem verschmilzt, ein Abbild verschiedener zusammenlebender Familiengenerationen. Die Shows kombinieren die nostalgische Volksmusik, an die sich die älteren erinnern und junge Pop-Acts versuchen die jungen Leute für sich zu gewinnen.

Tieu-Y Nguyen, 27, eine Finanzanalystin aus Tustin,CA, sagte dass ihre Eltern sich immer die neuesten Videokassetten von Freunden ausliehen und dass sich ihre Geschwister immer im Wohnzimmer versammelten um die Shows zu gucken.

„Es war wie eine große Familienveranstaltung“, sagte sie. Nguyen mimte dann immer die traditionellen Tänze, die sie auf Video sah.
„Für meine Eltern ist es ein Stück Erinnerung, die alten Lieder erinnern sie an Vietnam.“

Eine typische „Paris by Night“ – Show ist ein vier Stunden Spektakel in dem mehr als 30 Interpreten und viele Hintergrundtänzer auftreten.

To beauftragt Regisseure, Lichtdesigner und Choreographen von Hollywood-Produktionen.

Marie To übersetzt die Lieder ins Englische um später eine glitzernde, manchmal auch kitschige Version von vietnamesischer Kultur zu entwickeln, wie z.B. „Porträt einer vietnamesischen Frau“ und „Passport für Musik und Mode“.

Etwa zweidrittel der Musikstücke sind traditionelle Volkslieder, die z. B. von bekannten Interpreten vorgetragen werden, wie Khanh Ly, eine 65 Jahre alte Sängerin mit langen schwarzen Haar, die von den älteren Vietnamesen geliebt wird. Der Rest begeistert sich an den Tönen von hip-hop-inspirierten Themen, die von Künstlern, wie Lynda Trang Dai, auch bekannt als vietnamesische Madonna, präsentiert werden.

Die langjährigen Showmoderatoren Nguyen Ngoc Ngan und Nguyen Cao Ky Duyen werden als die Botschafter der vietnamesischen Kultur betrachtet. Sie interviewen berühmte Vietnamesen in ihrer Show, Leute wie Viet Dinh, Autor des nach dem 11. September erschienen Buches ‚Patriot Act‘ oder den „Top Chefkoch“- Gewinner Hung Huynh. Nguyen Ngoc Ngan schreibt Parodien, welche die vietnamesischen Werte weitervermitteln sollen gepaart mit Sprichwörtern.

Jedes Jahr wird die Show aufwendiger. Die spektakulärste Show war Vol.98 mit dem Untertitel „Flieg mit uns nach Las Vegas“, die im Planet Hollywood aufgezeichnet wurde und welche mit Produktionskosten von $1,9 Mio. verbunden waren.

Ein kleines Flugzeug wurde gemietet für eine vierminütige Sequenz in der die Moderatoren Pilotenuniformen trugen. Die Show beginnt mit einer Explosion von Lichtern während 12 Sängerinnen in Kostümen mit Glitter singen und sich die Zuschauerreihen erheben und Ohs und Ahs vor Begeisterung zu hören sind. Peter To gibt an, dass die traditionellen Kostüme detailliert authentisch nachempfunden sind, vom Kragen bis zum Stirnband.

„Die Leute fragen mich ‚Warum gibst du so viel Geld für diese Show aus? ‘“ , sagte To.
„Ich weiß, wir könnten auch eine Show für $900000 herstellen, aber es würde die Leute nicht anziehen. Menschen lieben die Details.“

Aber während To mehr Geld ausgibt, als je zu vor, hat der Bekanntheitsgrad auch Piraten und Fälschungen angelockt. Erstmals tauchten illegale Kopien im Jahr 2003 im Internet auf, als „Paris by Night“ von der Videokassettenvermarktung auf DVD wechselte.

Jetzt schwinden die Einnahmen, da immer mehr Leute die Shows illegal beziehen, anstatt $15-$25 im Einzelhandel zu zahlen, berichtete To.

To sagte, dass er bei den letzten Shows Geld verloren hatte, da der DVD-Verkauf stockte, der von seinem Bestwert vor einigen Jahren jetzt auf 80000 fiel.

Er erzählt, dass er Klagen einreichte, Briefe an den Kongress schrieb und sogar Privatdetektive beauftragte Besitzer illegaler File-Share-Webseiten zu finden, aber es sieht so aus, als wenn nichts dagegen funktioniere.

In diesen Tagen stapeln sich die DVD-Boxen und Regale, der nicht verkauften Shows im Büro in Westminster. Das Unternehmen war gezwungen eines seiner Warenhäuser zu schließen, das alte Kostüme anbot.

„Es ist so, als ob man ein Haus baut und zu schaut, wie es abbrennt“, erklärte To.

Dennoch waren die 10000 Tickets für die beiden live Vegas Shows, die im Planet Hollywood stattfanden innerhalb einer Woche ausverkauft, verkündete Peter Lai To.

Mittlerweile versucht To optimistisch zu bleiben. Jede „Paris by Night“ – Show endet mit einer Botschaft von Glück und guten Gefühlen und auch in der neusten Show gab es keine Ausnahmen. Obgleich die Marke einem Risiko ausgesetzt ist, die Interpreten gehen immer mit einem Lächeln auf die Bühne, singen von lieblichen Erinnerungen und dem Neuanfang.


Quelle: latimes.com